Hexenjagd auf Computerspiele


Die Urkatastrophe
April 20, 2007, 1:48 Uhr nachmittags
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Heute vor 8 Jahren haben Eric Harris und Dylan Klebold an der Columbine High School in Colorado (nahe Littleton) 12 Schüler, einen Lehrer und sich selbst erschossen. Ich habe bereits mehrfach auf meine These von Columbine als der Urkatastrophe der modernen Schulmassaker hingewiesen, möchte dies aber aus gegebenem Anlass noch einmal tun:

Die meisten Schulmassaker nach 1999 ähneln sich dem von Columbine sehr stark. Die Täter glichen sich in ihrem Selbstverständnis als Opfer der Gesellschaft, genauso wie in ihrem Auftreten, ihrer Tatdurchführung und ihrem streben nach postmortaler medialer Präsenz. Viele der Täter verehrten Harris und Klebold als Helden und betrachteten sie als Märtyrer. Robert S., der in einem erfurter Gymnasium 2002 ein Blutbad anrichtete, war von der Tat in Columbine fasziniert. Sebastian B., der letztes Jahr in einer Schule in Emsdetten um sich schoss und damit eine wochenlange, sinnlose Debatte über Computerspiele auslöste, verehrte Eric Harris und schrieb in sein Tagebuch “ERIC HARRIS IST GOTT”.

Auch das jüngste Massaker an der Virginia Tech Universität in den USA zeigt Parallelen zu Littleton und auch hier verstand sich der Täter in der Tradition von Harris und Klebold, die er als Märtyrer bezeichnete. Wie beispielsweise in diesem amerikanischen Zeitungsbericht beschrieben wird, können es die Columbine-Überlebenden selbst kaum fassen, wie sehr die Hinterlassenschaften des Virginia-Täters, denen von Harris und Klebold gleichen.

Um Eric Harris und Dylan Klebold ist bei jungen Außenseiter ein regelrechter Kult entstanden, der sich in Foren, Blogs und vor allem auch auf Videowebseiten wie Youtube Ausdruck verleiht. Dort gibt es dutzenden Tributvideos, in denen Klebold und Harris verehrt werden. Dass die Gefahr weiterer Amokläufe vor allem in der Kombination aus Außenseitertum und Nachahmung besteht, liegt auf der Hand. Allerdings ist es fraglich, ob dies in absehbarer Zeit auch dem politischen und medialen Mainstream klar wird, der nach jeder neuen Tat lieber alte Streitereien um Verbote von Computerspielen, Videos und Waffen aufwärmt.



Pan Amp’s “Ego-Shooter-Filter”: Kommerzielle Interessen prägten TV-Bericht
Februar 26, 2007, 5:24 Uhr nachmittags
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In einer mit Falschinformationen und Verleumdungen gefüllten Sendung mit dem reißerischen Titel “Morden und Foltern als Freizeitspaß - Killerspiele im Internet” hat das ARD-Politmagazin “Panorama” am 22.02. von sich reden gemacht. Besonders interessant war dabei die Rolle eines “Experten”, der in der Sendung ausführlich zu Wort kam und fleißig gegen Gewaltspiele wetterte.

Es handelt sich dabei um einen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma “Pan Amp” (www.panamp.de). Wer sich nun fragt, warum sich ausgerechnet ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma so sehr für Spiele und deren Verbote interessiert, dem hilft vielleicht ein Blick auf die Webseite dieser Firma. Pan Amp hat sich auf Internet-Filtertechniken spezialisiert und preist den “Ego-Shooter-Filter” als Produkt an. Ein Programm also, das es ermöglicht das Spielen von Computerspielen in Netzwerken (im Internet) zu unterbinden.

Pan Amp würde also von einem Verbot der Spiele am meisten profitieren, da die Filtersoftware der Firma zur Überwachung der Verbote eingesetzt werden könnte. Genau aus diesen kommerziellen Interessen heraus beschwört die Firma seit Monaten die Gefahren von Spielen herauf und fordert Verbote. Dass die ARD einen “Staubsaugervertreter” dieser Firma in eine durch Gebühren finanzierte Sendung eingeladen hat, ist ein schier unfassbarer journalistischer Faux pas.



“Killer”-Epidemie bei Spiegel Online
Februar 19, 2007, 4:03 Uhr nachmittags
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Am 17.02.07, habe ich an die Spiegel-Online-Redaktion eine E-Mail geschrieben. Ich fragte, ob es sich nur um einen Zufall oder um einen tödlichen Trend im Umgang mit der deutschen Sprache handele, wenn gleichzeitig vier Wortschöpfungen mit dem Teilwort “Killer” auf der Spiegel-Einstiegsseite zu finden sind:

- Deutsche Killer-Queen Kentikian ist Weltmeisterin
- “Killerspiel”-Debatte: Widerstand im Bundesrat gegen Pläne aus Bayern
- Noxon-Internet-Radio: Wundertüte und Heimweh-Killer
- Klimakiller Computer: 14 Kraftwerke arbeiten nur für Rechenzentren

Inzwischen haben sich die Anzeichen verdichtet, dass es sich nicht um Zufall, sondern um einen Trend oder besser um eine Epidemie handelt, denn heute sind zwei neue “Killer”-Wortschöpfungen in Überschriften auf der Einstiegsseite zu finden:

- Risiko-Forschung: Lotterie mit Killer-Asteroiden
- Deutscher Wald: Angriff der Killerkäfer

Scheinbar hat man beim Spiegel im Zusammenhang mit “Killerspielen” bemerkt, dass man wenn man “Killer” sagt, ganz schnell Aufmerksamkeit erhält. Die Bild-Zeitung hat das schon vor über 50 Jahren gelernt. Ich muss mich wirklich zurückhalten, das ganze nicht “Killerjournalismus” zu nennen.



Kulturkampf 2007: Was “Les Fleurs du Mal” und “Half-Life 2″ gemeinsam haben
Februar 19, 2007, 2:52 Uhr nachmittags
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Computerspiele mit Gewaltinhalten werden in Deutschland pauschal verurteilt und als unmoralisch betrachtet. Sie werden als Gefahr für die Jugend, als Schund und als krankhafte Austriebe der Spieleindustrie gebrandmarkt. Durch sprachliche Mittel, insbesondere durch das Unwort “Killerspiel”, wird der Bevölkerung durch Politk und Medien bereits die Meinung, die sie zu diesen Spielen haben muss, vorgestanzt. Durch die hanebüchene Verknüpfung mit Amokläufen werden Medienängste gegen Actionspiele geschürt. Deren Spieler werden als psychisch krank dargestellt und mit Konsumenten von Kinderpornographie auf eine Stufe gestellt. Selbst die Gegner des bayerischen Verbotsvorhabens argumentieren bestenfalls mit dem “Recht auf Schund” oder sprechen von “bereits existierenden Verbotsmöglichkeiten”.

Was dabei nie erwähnt wird: Bei den verbotsgefährdeten und durch den Schmutz gezogenen Spielen handelt es sich teilweise um wahre Meisterwerke, die technisch und künstlerisch brillant sind und denen eine intelligente, vielschichtige Erzählung und eine faszinierende Spielewelt zu Grunde liegen. Ein gutes Beispiel hierfür ist “Half-Life 2″: Es hat einen guten Grund, warum dieses Spiel bei seinem erscheinen 2004 von den meisten Spielezeitschriften als “Spiel des Jahres” bezeichnet wurde und die größte Spielezeitschrift der Welt, PC Gamer, dieses Spiel sogar als “the best game ever made”, also als “das beste jemals geschaffene Spiel” bezeichnet hat. Es hat einen Grund, warum Millionen Menschen dieses Spiel kaufen und beim Spielen Tränen vor Glück in den Augen haben.

Ich persönlich stelle “Half-Life 2″ auf eine Stufe mit herausragenden Werken in Kunst, Literatur, Musik und Film. Ein solches Spiel als Schund zu bezeichnen und verbieten zu wollen, zeugt von großem Unverständnis und zeigt, dass Menschen aus der Geschichte kaum lernen. Die extrem scharfen Äußerungen gegen Spiele können sich Beckstein, Schünemann und andere Verbotseiferer in einem demokratischen Deutschland nur erlauben, da die Spiele vorwiegend in der Kultur der Jungen (bis etwa 35) ein fester Bestandteil sind und damit von der Mehrheit der Bevölkerung auf eine niedrigere Stufe als Gemälde, Bücher oder Filme gestellt werden.

Die Spielverpackung von “Half-Life 2″ steht in meinem Regal direkt neben dem Dichtband “The Flowers of Evil” (”Les fleurs du Mal”) von Charles Baudelaire. Dieser Dichtband, der heute gemeinhin als Meisterwerk und von vielen als eines der größten Werke der modernen Dichtkunst verstanden wird, thematisiert eine Welt, die von Tod, Satan, moralischem Verfall und Sex beherrscht ist. Die Veröffentlichung brachte Charles Baudelaire 1857 einen Gerichtsprozess, eine Verurteilung, die Beschlagnahmung seines Werkes und das Verbot sechs seiner Gedichte ein. Erst 1949 wurden die Verbote aufgehoben. Es ist anzunehmen, dass Auffassungen und Äusserungen der gesellschaftlichen Moralwächter damals sehr ähnlich waren, wie die der Moralwächter heute: “Unverantwortliches Machwerk, das in unserer Gesellschaft keinen Platz hat”, “extrem jugendgefährdend”, “abscheulich” und “mit der christlichen Werteordnung nicht zu vereinbaren”.

Hier der Originaltext vom Buchrücken der englischen Übersetzung:

“The Flowers of Evil, which T.S. ELiot called the greatest example of modern poetry in any language, shocked the literary world of nineteenth-century France with its outspoken portrayal of lesbian love, its linking of sexuality and death, its unremitting irony, and its unflinching celebration of the seamy side of urban life. The volume was seized by the police, and Baudelaire and his publisher were tried for offence to public decency. Six poems were banned, in a conviction that was not overturned until 1949.”



Killer Killer Killer Killer - Leserbrief an Spiegel Online
Februar 17, 2007, 12:01 Uhr vormittags
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Sehr geehrte Spiegel-Online-Redaktion,

mir ist gerade (17.02.07, 00:30 Uhr) aufgefallen, dass auf Ihrer Einstiegsseite vier Wortschöpfungen mit dem Teilwort “Killer” zu finden sind:

- Deutsche Killer-Queen Kentikian ist Weltmeisterin
- “Killerspiel”-Debatte: Widerstand im Bundesrat gegen Pläne aus Bayern
- Noxon-Internet-Radio: Wundertüte und Heimweh-Killer
- Klimakiller Computer: 14 Kraftwerke arbeiten nur für Rechenzentren

Habe ich hier einen tödlichen Trend beim Umgang mit der deutschen Sprache erkannt - womöglich durch zu häufige Verwendung des Unwortes “Killerspiel” ausgelöst - oder handelt es sich nur um einen Zufall?

Mit freundlichen Grüßen,



Wie Politik und Medien die wahren Hintergründe von Schulmassakern ignorieren
Februar 16, 2007, 4:00 Uhr nachmittags
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Nach Emsdetten haben es sich Politik und Medien einfach gemacht. Computerspiele mit Gewaltinhalten sind schuld. Die Äußerungen von Politikern sind teils haarsträubend, Medienberichte bestehen meist darin, die brutalsten Szenen aus Spielen mit Bildern von Amokläufern zu mischen. Die wissenschaftliche Grundlage dazu liefert Prof. Pfeiffer, dessen einzige Veröffentlichung zum Thema Computerspiele und Gewalt, eine Kirchenpredigt ist, in der er gegen die USK wettert und Spiele mit Gewaltinhalten mit den 10 Geboten für unvereinbar erklärt.

Leider verhindert die totale Fokussierung auf Computerspiele jegliche rationale Auseinandersetzung mit den wirklichen Tathintergründen und der Prävention neuer Taten. Somit ist die Debatte nicht nur verfehlt, sondern auch gefährlich. Ist es denn noch niemandem aufgefallen, dass Sebastian Bosse, der Täter von Emsdetten, die Littleton-Amokläufer von 1999 in Selbstverständnis, Auftreten, Wortwahl und Tatdurchführung nachgeahmt hat? Dass er über Eric Harris, einen der Täter von Littleton, in seinem Tagebuch schrieb “Eric Harris ist Gott”. Dass er selbst eine erschreckende Ähnlichkeit von sich und Harris beschrieb und es so empfand, dass er das Leben von Eric Harris “noch einmal lebte” und seine “Weiterentwicklung” war? Dass seine vor der Tat gedrehten Gewaltvideos nicht Spielen entstammen, sondern ganz offensichtlich Nachahmungen der Videos sind, die Eric Harris 1999 gedreht hat? Das kann jeder in den Hinterlassenschaften des Täters nachrecherchieren.

Was wirklich Besorgnis erregend ist: Bei Jugendlichen hat sich ein wahrer Kult um Schul- Amokläufer gebildet. Viele Jugendliche, die wie Sebastian Bosse Gewalt gegen sich selbst in der Schule erleben und Mobbing-Opfer sind, verehren Menschen wie Harris und Bosse als Helden. Sie sehen deren Taten als glorreiche Auswege aus der Hilflosigkeit und als gerechtfertigte Rache an denen, die sie in der Schule zu Außenseitern machen. Man muss sich dazu nur einmal die Tribut-Videos für Amokläufer auf Videoplattformen wie Youtube ansehen oder die Kommentare in entsprechenden Foren lesen. In der Hilflosigkeit von jungen Menschen, die in der Schule zu Außenseitern geworden sind und in der Vorbildfunktion, die jeder vorige Amoklauf auf den nächsten ausübt, liegt die Gefahr. Das Littleton-Massaker kann man dabei sozusagen als die “Urkatastrophe” der modernen Schulmassaker verstehen und in dem was wir in Deutschland erleben, eine Art Kulturtransfer sehen.

Es ist ein Armutszeugnis, dass nicht ein einziger Politiker der großen Koalition den Mut hat, Verbotseiferern wie Beckstein und Schünemann sofort eine deutliche Absage zu erteilen, wenn diese durch Herstellung von abstrusen Kausalzusammenhängen immer wieder die Computerspiel-Debatte anfeuern, anstatt die wahren Probleme im Zusammenhang mit Schulmassakern zu diskutieren. So wird es garantiert zu keiner wirksamen Prävention weiterer Massaker kommen.



Was jeder Einzelne sofort gegen ein Spieleverbot tun kann
Februar 14, 2007, 1:20 Uhr vormittags
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Anstatt nur in Internetforen Gleichgesinnte noch gleichgesinnter zu machen, sollte sich jeder Verbotsgegner ein paar Minuten Zeit nehmen und eine E-Mail an die Abgeordneten seines Wahlkreises schicken. Nur so erfahren auch Politiker von der Empörung, die durch populistische Verbotspläne bei medienkompetenten Menschen ausgelöst wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, man bekommt auf sachliche Emails auch Antworten.

E-Mail-Adressen der Abgeordneten findet man auf der Bundestags-Webseite. Alternativ bietet sich die Seite Abgeordnetenwatch.de als Kontaktmöglichkeit an. Wichtig ist, dass die E-Mails sachlich bleiben. Die 10 wichtigsten Argumente gegen ein Verbot von “Killerspielen” auf dieser Seite sind eine Argumentationshilfe, ebenso wie mein ausführlicher Artikel “Die Killerdebatte”.



Von der Medienangst zum Verbotsgesetz
Februar 12, 2007, 12:03 Uhr nachmittags
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Am kommenden Freitag (16.02.2007) ist es also so weit. Der Bundesrat wird über die bayerische Gesetzesinitiative zum Verbot von Spielen mit Gewaltinhalten beraten. Wer solche Spiele „herstellt, verbreitet, veröffentlicht, anbietet, anpreist, bezieht oder vorrätig hält“ soll in Zukunft mit Geldstrafen oder Freiheitsentzug von bis zu einem Jahr bestraft werden. Ganz nebenbei soll auch das so genannte Erzieherprivileg abgeschafft werden, also das Recht von Eltern, selbst entscheiden zu können, was Ihre Kindern spielen dürfen. Neben Computerspielen sollen auch Paintball und Gotcha, also Sportarten, bei denen Spieler mit Farbkugeln aufeinander schießen, verboten werden.

Ganz offensichtlich sind die Antragssteller weder über die tatsächlichen Hintergründe von Schulmassakern, noch über den Stand der Medienforschung informiert. Vielmehr ist die Gesetzesinitiative, die einen massiven Eingriff in die Freiheitsrechte von Erwachsenen darstellt, von Medienängsten und Moralvorstellungen (siehe auch die Kirchenpredigt von Ober-Killerspielejäger Prof. Pfeiffer) getrieben. Der Eindruck, dass die Meinungsbildung auch bei Politikern auf äußerst oberflächlichen und teils grob falschen Informationen erfolgt, bestätigt sich in den Antworten von Politikern, die ich auf Anfragen erhalten habe. Darin ist die Rede von „gesicherten Erkenntnissen über die extreme Schädlichkeit von Killerspielen“ und „Killerspielen als wichtigster Faktor beim Amoklauf von Emsdetten“. Eine CSU-Politikerin schreibt mir gar, dass der EU-Ministerrat, der die Pläne von Beckstein in Wirklichkeit abgelehnt hatte, sich auf ein „EU-weites Killerspiele-Verbot“ geeinigt habe.

Da Deutschland bereits die strengsten Jugendschutzgesetzte besitzt und Spiele mit Gewaltinhalten für Jugendliche schon jetzt verboten sind, werden die angestrebten Gesetzesänderungen primär Erwachsene treffen. Trotzdem geht die Vorlage mit dem strategisch klug gewählten Titel „Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung des Jugendschutzes“ in den Bundesrat ein. Was auf Spieler, sollte die Gesetzesinitiative Erfolg haben, zukommt, wenn diese künftig Welterfolge wie Half-Life, Doom, Counter-Strike, Far Cry, Gears of War oder GTA spielen, wurde bereits im Dezember vom niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann in einem Interview des Sterns klar gemacht. Auf die Frage, ob Computerspieler demnächst mit „Razzien zu Hause rechnen müssen“ antwortete dieser: „Natürlich. Diejenigen, die die brutalen, verbotenen Spiele spielen, müssen damit rechnen, dass sie dingfest gemacht werden. Das halte ich auch für richtig.“



Warum sollte man Spiele erlauben?
Januar 14, 2007, 3:20 Uhr nachmittags
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In Diskussionen mit Verbotsbefürwortern wird, nach Vortragen von Argumenten gegen ein Teilverbot des Kulturgutes Computerspiel, immer häufiger wie folgt argumentiert: „Es mag ja viele Argumente gegen ein Verbot geben, aber welche Argumente gibt es, diese Spiele zu erlauben?“. Ich möchte auf genau diese Frage näher eingehen, weil ich der Überzeugung bin, dass eine solche Argumentation ein fatales Weltbild impliziert, das mit freiheitlichem Denken nicht vereinbar ist. Die Grundlage einer freien Gesellschaft sollte immer die Ansicht sein, dass zunächst alles erlaubt ist. Etwas wird nur verboten, wenn dafür ausreichende Gründe vorliegen.

Die Frage „Warum sollte man die Spiele erlauben?“ geht jedoch davon aus, dass diese „von Natur aus“ verboten sein sollten. Damit wird ein invertiertes Weltbild impliziert: Alles ist zunächst verboten. Nur wenn ausreichende Gründe vorliegen, wird etwas erlaubt. Die Rolle von Gesetzen ist damit ebenfalls invertiert. Erst durch Gesetze wird Freiheit geschaffen. Der Mensch ist in einem gesetzfreien Raum von jeglichen Freiheiten beraubt. Erst andere Menschen müssen ihm durch Gesetze Freiheiten schaffen.

Ich finde es gleichzeitig traurig, aber auch für unsere angstgeprägte Gesellschaft bezeichnend, dass solche Weltbilder mehr und mehr Grundlage des Denkens werden. Dabei bin ich mir nicht sicher, ob Menschen die wie oben gezeigt argumentieren, den Schritt zurück - um das große Bild zu betrachten – aus Unwissen nicht tun, oder ob sie sich dem fatalen Weltbild, das ihrer Argumentation unterliegt, durchaus bewusst sind und dieses wohl wissend propagieren.



“Killerspiele mit Kinderpornos gleichstellen” - Reiner Populismus?
Januar 13, 2007, 3:22 Uhr nachmittags
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Fahnder des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt und der Staatsanwaltschaft Halle haben in den vergangenen Monaten Transaktionen von 20 Millionen Kreditkartenbesitzern überprüft. Ob es dafür eine rechtliche Grundlage gab, ist noch unklar.

Wer nach dem Motto, “der Zweck heiligt die Mittel”, solche Aktionen des Staates gutheißt, der vergisst oft, dass er auch selbst leicht Opfer von ähnlichen Schnüffel- und Spitzelaktionen werden kann. Um wie ein „Kinderpornograph“
behandelt zu werden, muss man nämlich überhaupt keine Kinderpornographie konsumieren. Man muss nur etwas tun, was mit dieser rechtlich gleichgestellt ist. Die Pläne und Äußerungen des bayerischen Innenministers Günther Beckstein, Computerspiele mit Gewaltinhalten rechtlich mit Kinderpornographie gleichstellen zu wollen, werden so also in ein ganz neues Licht gerückt: Wer dachte, dem promovierten Juristen Beckstein gehe es mit seinen Äußerungen ausschließlich um Aufmerksamkeit, der sollte umdenken.

Bei Kinderpornographie stört sich niemand an den extremen Maßnahmen des Staates gegen die Konsumenten. Genauso wird es, sind die für Amokläufe verantwortlichen „Killerspiele“, als „indiskutable Machwerke“ verboten und mit Kinderpornographie
gleichgesetzt, auch kaum jemanden stören, wenn Spieleserver überwacht, Identitäten von Spielern bei Providern erfragt, Telefone abgehört und Kreditkarten im gigantischen Ausmaß überprüft werden. Der durchschnittliche Tagesschau-Zuschauer, dem ein zufriedenes „Jawohl, richtig so!“ über die Lippen geht, wenn er hört, dass wieder einmal einige Hundert dieser kranken Menschen
Dingfest gemacht wurden, dem wird die Freude auch im Gesicht stehen, wenn er in Zukunft hört, dass ein wichtiger Schlag gegen gemeingefährliche „Killerspieler“ gelungen ist – egal mit welchen Mitteln.



Stoiber und Beckstein: Kämpfer für die Freiheit?
Januar 10, 2007, 5:25 Uhr nachmittags
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Auf der Seite von Medialog habe ich einen sehr interessanten Artikel entdeckt, der die Reaktionen der Politik auf die Aussetzung der Mozart-Oper „Idomeneo“ mit den aktuellen Forderungen nach einem Teilverbot des Kulturgutes Computerspiel in Bezug setzt. Die Oper wurde damals vom Spielplan genommen, weil man aufgrund einer Szene mit einem Mohammed-Kopf Angst vor Anschlägen hatte. Vergleicht man die empörten Reaktionen und Appelle für die Freiheit von damals mit der Killerspiele-Hetze von heute, stellt sich unweigerlich die Frage, ob es bei diesen Menschen in wenigen Monaten zu einem völligen Sinneswandel gekommen ist oder ob es ihnen auch damals nur um Profilierung ging. Hier zwei Zitate:

“Es ist eine Gefahr für unsere Freiheitsrechte, wenn man aus Angst vor möglicher Gewalt Zensur übt. Das bedroht unsere Meinungsfreiheit.”
(Günter Beckstein, der heute Computerspiele mit Kinderpornos gleichstellen möchte)

„Diese Kultur der Ängstlichkeit ist falsch. Wenn die Freiheit bedroht ist, braucht sie notfalls auch die Bereitschaft zur Verteidigung und zur Auseinandersetzung mit ihren Gegnern.“
(Edmund Stoiber, der Angst vor neuen Amokläufen schürt, um ein Spieleverbot zu erreichen)

Den gesamten Artikel, mit noch mehr Zitaten, gibt es hier.



Bücherverbrennung 2.0
Januar 10, 2007, 3:33 Uhr nachmittags
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„Wo Not an den Mann geht und Gefahr in Verzug ist, muß gehandelt werden ohne allzu großes Bedenken. Fliegt ein Buch heute Nacht zuviel ins Feuer, so schadet das nicht so sehr, wie wenn eines zu wenig in die Flammen flöge.“
Prof. Hans Naumann am 10. Mai 1933

„Nach dem Amoklauf von Emsdetten und angesichts immer neuer Amok-Drohungen von Jugendlichen darf es keine Ausreden und Ausflüchte mehr geben. Killerspiele gehören in Deutschland verboten. Das sind unverantwortliche und indiskutable Machwerke, die in unserer Gesellschaft keinen Platz haben dürfen.“
Dr. Edmund Stoiber am 09.01.2007

Es fällt schwer, angesichts solcher Äußerungen eines Ministerpräsidenten und ehemaligen Beinahe-Kanzlers gelassen zu bleiben. Besonders wenn diese Äußerungen in Zusammenhang mit einer ernsthaften Gesetzesinitiative zum Verbot von Kulturgütern stehen. Wer meinen Artikel „Die Killerdebatte“ gelesen hat oder sich mit den Hintergründen von Emsdetten und ähnlichen Schulmassakern auskennt, den schmerzen diese Worte wahrscheinlich ebenso wie mich. Ein Hobby verboten zu bekommen und Zeuge einer modernen Bücherverbrennung zu werden, erzürnt. Vor Augen geführt zu bekommen, wie erschreckend wenig viele unserer Politiker, Lehrer und Journalisten über die Welt wissen, in der Jugendliche heute leben und zu sehen, wie hilflos alle sind, wenn es um die Probleme von jungen Menschen geht – das tut weh.

Was mich als Anhänger einer freiheitlichen Demokraktie fast verzweifeln lässt, ist auch, dass solche Äusserungen in der Gesellschaft nicht großflächig auf Gegenwehr stoßen – das Gegenteil ist eher der Fall. Denkt die Mehrheit wirklich Computerspiele seien schuld? Erkennen so wenige, dass hier eine hanebüchene Verknüpfung hergestellt wird um ein politisches Ziel zu erreichen? Stößt sich denn niemand an der Rhetorik eines Herrn Stoiber? Erkennt niemand das altbekannte Propaganda-Muster, eine Bedrohungslage heraufzubeschwören, die ein sofortiges Handeln erfordert? Ist der Kampfbegriff „Killerspiel“, der immer öfter ohne Anführungszeichen geschrieben wird, tatsächlich bald Teil der deutschen Sprache? Müssten nicht bei allen freiheitlich gesinnten Menschen die Alarmglocken läuten, wenn jemand Kulturgüter als „unverantwortliche und indiskutable Machwerke“ verbannt? Hat von den Verbotsbefürwortern niemand Abschiedsbrief, Tagebuch und Videobotschaft von Sebastian B. studiert? Ist noch niemandem aufgefallen, dass Sebastian B. die Littleton-Attentäter sowohl in der Tatausführung als auch in seinen Äußerungen kopiert hat?

Mit medienwirksamen Verbotsforderungen gelingt Herrn Stoiber vor allem eines: Von den wahren, tief sitzenden, Problemen in Schule und Gesellschaft abzulenken. Niemand diskutiert über Schulklima, Außenseitertum, Mobbing und Nachahmungsproblematik. Niemand denkt ernsthaft darüber nach, wie man verzweifelten Schülern wie Sebastian B. bessere Auswege, als medial inszenierte Rache-Selbstmorde, bieten kann. Damit gelingt es dem, der am lautesten schreit er habe eine Lösung, genau das Gegenteil von dem, was er verspricht, zu erreichen: Durch Ausbleiben der wirklich benötigten Diskussion werden auch keine sinnvollen Präventionsmaßnahmen gegen Massaker erarbeitet. Durch die Verdammung ihres Hobbys fühlen sich Jugendliche noch unverstandener, noch hilfloser, noch bevormundeter, empfinden noch mehr Zorn. In diesem Zusammenhang klingt es wie bittere Ironie, wenn Sebastian B. in seinem Video neben der Schule noch einen zweiten Grund für sein Massaker nennt: Politik.



Hexenjagd für Jäger erklärt
Januar 10, 2007, 1:11 Uhr vormittags
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Auszug aus einem Brief, den ich an den Landtagsabgeordneten meines Wahlkreises geschrieben habe. Der Abgeordnete ist Jäger.

Stellen Sie sich einmal vor, ein anderer Jäger würde irgendwo in Deutschland, aus welchen Gründen auch immer, mit einer Schusswaffe Amoklaufen und dabei mehrere Menschen töten oder verletzen. Die Medien stürzen sich auf den Fall. Grünenpolitiker und Umweltschutzgruppen fordern ein sofortiges Verbot der Jagd, um weitere Amokläufe zu verhindern. Plötzlich diskutieren im TV selbsternannte Experten darüber, ob das Erschießen von Tieren die Hemmschwelle senkt, auch auf Menschen zu schießen. Wissenschaftler kündigen diesbezüglich Studien an und erwarten einen Zusammenhang. Im TV sieht man wochenlang Bilder die zeigen, wie Blut aus einem von einer Kugel tödlich getroffenen Tier spritzt und dieses zu Boden stürzt. Die Jäger sieht man dabei vergnügt. Diese Bilder werden mit echtem Blut vom Amoklauf vermischt. Zu den Bildern hört man Kommentare wie „auch der Amokläufer hat mit diesem blutrünstigen Sport sein Töten perfektioniert.“ Ihr geliebtes Hobby wandelt sich in der Wahrnehmung der Massen langsam aber sicher zum moralisch nicht vertretbaren Mord an Tieren. Sie müssen sich immer öfter dafür rechtfertigen. Ihre Bekannten machen sich schon Sorgen, immerhin sind Sie doch auch einer von denen die mit Waffen auf Tiere schießen. Dann fällt jemandem von der Öko-Fraktion auch noch ein markanter Kampfbegriff, z.B. „Mördersport“, ein um das Jagen zu diffamieren – und plötzlich sind Sie kein Jäger mehr, sondern ein „Mördersportler“ und die Mehrheit der Bevölkerung – die viel Angst vor Amokläufen und wenig Ahnung vom Jagen hat – ist mehrheitlich für ein Verbot ihres Hobbys. Natürlich möchten ihre Politikerkollegen solchen Mördersport öffentlich nicht gutheißen, um sich im aufgeheizten Klima nicht als Mördersport-Unterstützer Stimmen „abjagen“ zu lassen. Die Grünen fordern ein Verbot und Haftstrafen fürs Jagen. Gar eine Gleichbehandlung von Jägern und Gewalttätern soll es geben – und auch Gefängnisstrafen. Eilig wird von den Verbotseiferern ein Gesetzentwurf vorbereitet und - bevor die Woge der Emotionen sich geglättet hat und ein rationaler Diskurs möglich ist – im Parlament durchgewunken. Das war es dann wohl mit den sonntäglichen Jagdausflügen in die Natur.



Vorschlag “Unwort des Jahres 2006″
Januar 8, 2007, 12:30 Uhr nachmittags
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Eingereicht am 08.01.2007

Sehr geehrter Prof. Dr. Schlosser,
Sehr geehrte Jury,

hiermit möchte ich das Wort „Killerspiel“ als Unwort des Jahres 2006
vorschlagen. Es handelt sich bei diesem Wort um einen propagandistischen
Kampfbegriff, um ein echtes Unwort, dessen Verwendung Spiele, Spieler
und Spielverbotsgegner diffamiert und das zudem ein politisches Klima
erzeugt, in dem demokratischer Diskurs und freie Meinungsäußerung nicht
mehr möglich sind.

„Killerspiel“ wurde als Bezeichnung für Computerspiele erstmals 2002
von Politikern wie Edmund Stoiber und Günther Beckstein verwendet, um
ein Verbot von Computerspielen mit Gewaltinhalten zu forcieren. Doch
erst 2006, durch die intensive Medienberichterstattung nach dem
Massaker von Emsdetten, hat sich dieses Unwort etabliert und ist, nach
wochenlanger exzessiver Verwendung in den Medien, nun Grundlage der
politischen Diskussion und Teil der Alltagssprache geworden. Im
Folgenden möchte ich detailliert erläutern, warum „Killerspiel“ für
mich das Unwort des Jahres ist. Zudem möchte ich darlegen, warum nicht
nur jeder Computerspieler, sondern auch jeder freiheitsliebende und
demokratisch gesinnte Mensch sich dagegen wehren sollte, dass dieses
Unwort die Grundlage ernsthafter politischer Diskussionen in
Deutschland ist.

Das Wort „Killerspiel“ ist kein wertneutraler Begriff, wie es für eine
sachliche politische Diskussion notwendig wäre, sondern ein
propagandistisches Schlagwort, ohne das die Verbotskampagne gegen
Computerspiele wohl nur geringe Erfolgsaussichten hätte. „Killerspiel“
hat das Abnormale bereits innewohnend und reduziert auch komplexe,
technisch brillante Spiele, in welchen es neben dem Schießen auf
Taktik, Teamwork und Geschick ankommt, automatisch auf das stumpfe
virtuelle Töten von Menschen. Es verbittet sich daher jegliche
Diskussion über etwaige positive Qualitäten eines solchen Spiels. Eine
differenzierte Betrachtung von Actionspielen ist unmöglich, denn jedes
Spiel, das als „Killerspiel“ bezeichnet wird verwandelt sich
automatisch zu etwas Krankem und nicht schützenswerten, zu etwas, dass
gerne verboten werden darf, ja sogar verboten werden muss. Dabei ist
es irrelevant, dass es sich bei den so diffamierten Spielen teils um
Welterfolge handelt, um von Fachzeitschriften zum „Spiel des Jahres“
gekürte Action-Abenteuer, um das Hobby von Millionen Menschen: Hat ein
Spiel erst das Label „Killerspiel“ an sich heften, fragt, vor allem im
computerspiele-unerfahrenen Teil der Bevölkerung, kaum noch jemand
nach, um was es in dem Spiel eigentlich wirklich geht.

Was weltbekannten und millionenfach verkauften Spielen wie Half-Life,
Counter-Strike und Far Cry durch das Label „Killerspiel“ hierzulande
widerfährt, wird klar, wenn man die Situation auf Filme überträgt:
Würde man jeden James-Bond-Film zum „Killerfilm“ abstempeln, weil
darin auch auf Menschen geschossen wird und dann die Bevölkerung
fragen „Sollen wir Killerfilme verbieten?“, erhielte man natürlich
viel einfacher ein „ja“, als auf die Frage „Sollen wir Bond-Filme
verbieten?“.

Der Begriff „Killerspiel“ ist sehr abstrakt und unklar definiert. Er
lässt sich so auch komfortabel auf individuelle, in der Bevölkerung
bereits existierende, Computerspiel-Feindbilder und Medienängste
anpassen. Die Bezeichnung eines Spiels als „Killerspiel“ verkörpert
außerdem auch die von keinem Wissenschaftler ernsthaft unterstellte,
jedoch in öffentlichen Diskussionen oft unterschwellig als Fakt
angenommene Behauptung, Spiele würden echte „Killer“ hervorbringen.
Denn „Killerspiel“ lässt sich, vor allem im Kontext der
Berichterstattung nach Massakern, sowohl als „Spiel in dem gekillt
wird“ verstehen als auch als „Spiel, das von Killern gespielt wird“.
Somit erzeugt das Wort auch Panik nach altbekannten
Manipulationsmustern: „Wir müssen die Killerspiele verbieten, sonst
wird es immer mehr Killer an den Schulen geben“. Durch das Wort
„Killerspiel“ werden also nicht nur Spiele zu etwas Krankem, auch ihre
Spieler werden als potentielle Mörder gebrandmarkt.

Haftet an einem Spiel erst das Label „Killerspiel“, ist es abnormal
und kann damit auch leicht mit anderem Abnormalem gleichgesetzt
werden. Forderungen, wie die vom bayrischen Innenminister Beckstein,
„Killerspiele“ mit Kinderpornographie gleichzusetzen sind dann nur
die logische Konsequenz. Die Anhänger des Spiels sind dann ebenfalls
Abnormale und befinden sich auf einer Ebene mit Konsumenten von
Kinderpornographie.

Die Verwendung des Wortes „Killerspiel“ in der öffentlichen Debatte
erzeugt ein politisches Klima, in dem ein, für eine Demokratie
eigentlich selbstverständlicher, rationaler Diskurs nicht mehr möglich
ist. Da „Killerspiele“ abnormal sind, ist es nicht mehr „korrekt“ sich
gegen ihr Verbot auszusprechen. Welcher Politiker oder Prominente X
möchte schon in der Zeitung von sich lesen „X verteidigt Killerspiele“
oder „X betont positive Seiten von Killerspielen“ oder „X spielt
selbst Killerspiele“. Wer ein „Killerspiel“ oder das Recht auf
„Killerspiele“ verteidigen möchte, hat bereits verloren, bevor er ein
einziges Wort gesprochen hat. Egal, um was es in dem zu verteidigenden
Spiel eigentlich geht.

Für mich persönlich ist es eine erschreckende Erfahrung mitzuerleben,
wie ein einziges Wort so viel Schaden anrichten kann: Verteufelung von
Spielen, Manipulation der Bevölkerung, Diffamierung von
Computerspielern und Verbotsgegnern, unmöglich machen einer
differenzierten Betrachtung, Unterbindung von freier Meinungsäußerung
und demokratischem Diskurs. Ich denke, dass jeder Mensch für die Art
Manipulation, welche durch das Wort „Killerspiel“ erfolgt, sehr
anfällig ist. Hätte man beispielsweise mich persönlich, jemanden der
wenig Ahnung von Hunden aber eine gewisse Angst vor ihnen hat, vor
einiger Zeit gefragt, ob „Killerhunde“ verboten werden sollen, wäre
mir wohl alleine wegen dem Wort „Killerhund“ ganz leicht ein „ja“ über
die Lippen gegangen. Denn anstatt mich zu Fragen „Was ist eigentlich
ein Killerhund?“ hätte ich wohl viel eher meine Hundeängste in den
Begriff projiziert. Bei Computerspielen verfalle ich diesem Muster
deshalb nicht, weil ich mich mit diesen selbst gut auskenne.

Ich bitte Sie, unabhängig von Ihrer eigenen Meinung zu Computerspielen
mit Gewaltinhalten, mit der Ernennung von „Killerspiel“ oder dem
Plural “Killerspiele” zum Unwort des Jahres ein Zeichen zu setzen,
dass abstrakte, manipulative und diffamierende Propagandabegriffe in
einem freien und demokratischen Deutschland weder die Grundlage von
politischen Diskussionen und Entscheidungen noch Teil der
Alltagssprache sein dürfen.

Mit freundlichen Grüßen,

Tim Reichert

Einige von vielen Quellen in denen das Unwort „Killerspiel“ verwendet
wird:

Titelseite der „Abendzeitung“ vom 21.11.2006: „Er liebte Killerspiele
und hasste die Welt“

Computerwoche, „Killerspiele: Niedersachen fordert zwei Jahre Haft“

Zitat von Günther Beckstein: „Killerspiele sollten bei der
Strafbewährung in der Größenordnung von Kinderpornografie eingeordnet
werden, damit es spürbare Strafen gibt“



Die 10 wichtigsten Argumente gegen ein Verbot von „Killerspielen“
Dezember 30, 2006, 8:02 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Spieleverbot

Tim Reichert, 29.12.2006 [PDF-Version]

1. Killerspiele gibt es überhaupt nicht.

Ohne den von Edmund Stoiber geprägten Begriff wäre das gesamte Verbotsbestreben wohl chancenlos. Das Wort ist ein propagandistisches Meisterwerk, denn jedes Spiel, das als Killerspiel bezeichnet wird, verwandelt sich sofort zu etwas abnormalem und nicht schützenswerten. Wer „Killerspiel“ hört, denkt an etwas krankes, das verboten werden muss und fragt gar nicht mehr nach, um was es in dem Spiel eigentlich geht. Was momentan passiert, ist in etwa so, als würde man jeden James-Bond-Film zum Killerfilm abstempeln, weil darin auf Menschen geschossen wird und dann die Bevölkerung fragen „Sollen wir Killerfilme verbieten?“. Natürlich bekommt man auf diese Frage viel einfacher ein „ja“ als auf die Frage „Sollen wir Bond-Filme verbieten?“.

2. Computerspiele haben mit Amokläufen nichts zu tun.

Die Attentäter haben nur zufällig die gleichen Spiele gespielt wie Millionen andere junge Männer. Genau wie sie die gleichen Filme gesehen, die gleiche Musik gehört und das gleiche Bier getrunken haben. Die Chance bei etwa 18jährigen Männern ein Computerspiel mit Gewaltinhalten zu finden ist angesichts der Popularität der Spiele etwa so hoch, wie bei ihnen einen Actionfilm oder eine Kiste Cola zu finden. Der Zusammenhang zwischen Amokläufen und Spielen wurde von den Verbotseiferern selbst hergestellt, um die Verbotsdebatte zu emotionalisieren und in die Schlagzeilen zu bringen.

3. Für Jugendliche sind „Killerspiele“ bereits verboten.

Der Jugendschutz in Deutschland ist der Verbindlichste in der demokratischen Welt. In keinem anderen Land wird jedes Spiel vor seiner Markteinführung von Experten alterseingestuft oder indiziert. Das Familienministerium lobt die Arbeit der dafür zuständigen USK ausdrücklich und sieht keine Notwendigkeit zur Verschärfung bestehender, strenger Gesetze. Dass Kinder und Jugendliche sich in deutschen Läden die brutalsten Spiele kaufen können ist schlichtweg falsch. Leider wird trotzdem immer wieder von einer (nicht nachgewiesenen) Gefahr für Jugendliche gesprochen und dann, völlig unlogisch, ein Verbot für Erwachsene gefordert.

4. Nicht mögen ist nicht dasselbe wie verbieten wollen.

Niemand erwartet, dass Computerspiele mit Gewaltinhalten von allen Menschen gut gefunden werden. Jeder hat das Recht, Gewaltspiele widerwärtig zu finden und Spiele generell als üble Zeitverschwendung zu erachten. Das ist aber etwas anderes, als bestimmte Spiele anderen Erwachsenen (!) generell verbieten zu wollen. Gerade das Tolerieren andersartiger Meinungen ist es doch, was eine freie Demokratie von einem totalitären Staat unterscheidet. Leider wird in der Debatte über die Spiele immer wieder „nicht mögen“ mit „verbieten wollen“ gleich gesetzt. Dabei ist es doch völlig normal, manche Computerspiele zu verabscheuen, und trotzdem gegen ihr Verbot zu sein.

5. Die Verbotsdebatte ist ein Ablenkungsmanöver und Spiele Sündenböcke.

Sebastian B., der Täter von Emsdetten, hat einen mehrseitigen Abschiedsbrief, Videos, ein Tagebuch und Webseiten hinterlassen. Er begründet seine über Jahre geplante Tat detailliert. Er wollte sich an den Menschen rächen, die ihn zum Außenseiter in der Schule gemacht, gemobbt, geschlagen, getreten und bespuckt haben. Er erzählt in seinem Abschiedsvideo sogar, wie ihm ein Mitschüler einen mit einem Feuerzeug erhitzten Schlüssel auf die Hand gedrückt hat. Dass so etwas den für ein Massaker nötigen Hass erzeugt ist zwar wesentlich plausibler als die Behauptung, dass Spiele schuld seien, die detaillierten Begründungen des Täters werden aber von Politikern und Medien einfach ignoriert, ebenso wie die Tatsache, dass es sich bei der Tat um eine Nachahmung des Littleton-Massakers von 1999 handelt und Sebastian B. die Täter von Littleton wie Götter verehrte. Statt über Schulklima, Außenseitertum, Mobbing und Vorbilder für die Tat, wird ausschließlich über Spiele diskutiert. Immer heftigere Verbotsforderung und Berichte über gemeingefährliche Computerspiele sind eben wesentlich schlagzeilenkompatibler als eine schmerzhafte Selbstanalyse der Gesellschaft.

6. Die Verbotsdebatte ist eine aufgewärmte Hexenjagd und ein Generationskonflikt.

Mitte des letzten Jahrhunderts war der „teuflische“ Rock’n’Roll an allem Schuld und sollte verboten werden, in den 80ern waren es Gewaltfilme, in den 90ern Heavy-Metal-Musik und jetzt sind es eben Computerspiele. Scheinbar hat niemand gelernt, dass solche von konservativen Moralwächtern angestachelten Hexenjagden keine Probleme lösen, sondern nur Ausdruck von Hilflosigkeit und von schwelenden Generationskonflikten sind.

7. Die Debatte entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage.

Laut Familienministerium hat die Forschung zur Wirkung virtueller Gewalt auf Jugendliche „ein breites Spektrum von Ergebnissen hervorgebracht: Von keinerlei Auswirkung über Aggressionssteigerung, Verrohung bis zum Aggressionsabbau”. Kein Forscher behauptet ernsthaft, dass Computerspiele wirklich Schuld an Schulmassakern sind. Allerdings wird dies in der Medienberichterstattung oft wie ein Fakt angenommen. Auf der Webseite vom angesehenen Ober-Killerspielejäger Prof. Dr. Pfeiffer, der den Verbotseiferern die scheinbar wissenschaftliche Grundlage gibt, findet sich unter all den Veröffentlichungen nur ein einziges Dokument, dass sich direkt mit dem Thema „Killerspiele“ befasst: Eine Kirchenpredigt (kein Scherz) in der er zu dem Schluss kommt, das Computerspiele mit Gewaltinhalten nicht mit den 10 Geboten vereinbar sind. Amen.

8. Die verbotsgefährdeten Spiele sind das Hobby von Millionen.

Die Spiele, auf deren Verbot Stoiber, Beckstein und andere jetzt drängen, gehören zu den Meistverkauften weltweit. Sie sind nicht die Beschäftigung einiger verstörter Jugendlicher, sie sind das Hobby von Millionen Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten in Deutschland! Millionen Deutsche würden durch ein Verbot also von einem weltweiten Kulturphänomen ausgeschlossen und für die Ausübung ihres Hobbys kriminalisiert. Das klingt eher nach mittelöstlichem Gottesstaat als nach freiheitlicher Demokratie…

9. Verbote schaden der Demokratie.

Wo kommen wir hin, wenn Abneigungen in Verbote münden und enge Moralvorstellungen in Gesetze gegossen werden? Ist es nicht der große Verdienst und der Stolz West-Europas, dass es hier so etwas nicht gibt? Dass jeder Mensch im größtmöglichen Rahmen die Freiheit hat, so zu leben wie er möchte? Wenn jeder alles verbieten könnte was ihm nicht gefällt, wären wir bald in einem totalitären Polizei- und Überwachungsstaat, in dem nur noch eine Art zu leben toleriert wird und in dem es keinen Fortschritt gibt. Warum verbieten wir nicht Fußball, wenn es doch jede Woche zu Hooligan-Ausschreitungen kommt?! Warum verbieten wir nicht Autorennen? Die sind gefährlich, verschmutzen die Umwelt und animieren zum Rasen! Warum nicht auch gleich Zigaretten, und Alkohol verbieten. Beides scheint sowieso ein Übel für die Jugend zu sein und wurde sicher auch von Robert Steinhäuser und Sebastian B. konsumiert.

10. Verbote bringen praktisch nichts.

Selbst wenn Verbote gerechtfertigt wären, sie würden nicht greifen. Da die Spiele im Rest der Welt erlaubt und - anders als in Deutschland - auch für Jugendliche zugänglich sind, können sie dort auch erworben werden. So auch in unseren Nachbarländern. Aber auch ohne diese Möglichkeit wäre der Bezug für Jugendliche kein Problem, denn der Bezugsweg für indizierte Spiele ist meist nicht der befreundete Erwachsene, der die Spiele kauft, sondern das Internet. Mit immer schnelleren Datenleitungen lassen sich die Spiele in Minutenschnelle aus dem Internet laden. Um ein Verbot wirksam durchzusetzen, müssten also nicht nur sämtliche Postpakete aus dem Ausland geöffnet werden, sondern auch Internetleitungen ständig überwacht werden, was einer Totalüberwachung im Stasi-Stil entspricht.



Die Killerdebatte
Dezember 23, 2006, 9:04 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Killerdebatte-Artikel

von Tim Reichert, 18.12.2006 [PDF-Version]

Warum die Kampagne gegen Computerspiele mit Gewaltinhalten nicht nur verfehlt, sondern auch gefährlich ist.

Die „Diskussion“ über ein Verbot so genannter „Killerspiele“ nach der Tat von Emsdetten ist maßlos überzogen und geht an der Realität des existierenden Jugendschutzes in Deutschland, an den Tathintergründen, sowie am Stand der Medienforschung vorbei. Durch blinden Aktionismus und Verdrehung von Fakten werden nicht nur Millionen Computerspieler unnötig diskriminiert und womöglich in Zukunft kriminalisiert, sondern es wird auch eine rationale Analyse der wirklichen Ursachen von Schulmassakern und damit die Erarbeitung sinnvoller Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Taten unmöglich gemacht. So trägt diese falsche „Diskussion“ eher zu weiteren Massakern bei, als diese zu verhindern. Sie propagiert zudem Verbote als Allzwecklösung und schadet so der demokratischen Kultur in Deutschland.

Jeder kann die Gründe nachlesen

Emsdetten Ende November 2006: Der 18-jährige Realschüler Sebastian B. schießt an der der Geschwister Scholl Schule in Emsdetten um sich, verletzt 36 Menschen und tötet sich anschließend selbst. Die schreckliche Tat ähnelt dem Massaker von Robert Steinhäuser in Erfurt, vier Jahre zuvor. Während die Motive von Steinhäuser 2002 jedoch weitgehend ungeklärt blieben, hat Sebastian B. die Gründe für seine Tat ausführlich dokumentiert. Im Internet veröffentlichte er vor der Tat eine mehrseitige Begründung, sowie ein fünfminütiges Abschiedsvideo auf Englisch. Daneben existieren ein Online-Tagebuch, ein handgeschriebenes Tagebuch, weitere Videos und mehrere Foreneinträge.

Im Abschiedsbrief, dem Video und im Online-Tagebuch berichtet Sebastian B., dass sein Leben wundervoll war, bis er eingeschult wurde und dass er jetzt „in seinem Leben nicht mehr Glücklich werden kann“, da er sich in der Gesellschaft „überflüssig“ findet, dass er „für alle immer der Dumme war“, dass er jahrelang versucht hat ohne Erfolg Freunde zu finden in „einer Welt in der Geld alles regiert, selbst in der Schule“ und in der man „das neuste Handy“, „die neusten Klamotten“, und „die ‚richtigen’ Freunde“ haben muss. Der Abschiedsbrief beginnt mit dem Worten:

„Wenn man weiss, dass man in seinem Leben nicht mehr Glücklich werden kann, und sich von Tag zu Tag die Gründe dafür häufen, dann bleibt einem nichts anderes übrig als aus diesem Leben zu verschwinden. Und dafür habe ich mich entschieden.“

Aus den Dokumenten geht nicht nur hervor, dass Sebastian B. sich als verzweifelten Außenseiter sah, dem es nicht gelang Freunde zu finden, sondern auch, dass er in der Schule misshandelt und gemobbt wurde: Er schreibt in seinem Abschiedsbrief von „Schülern die mich gedemütigt haben“. Im Video sagt er, er wurde seit der ersten Klasse gehänselt, er wurde angespuckt, getreten, niedergeschlagen. Er erzählt von einem Mitschüler, der mit dem Feuerzeug einen Schlüssel erhitzte und ihm damit seine Hand verbrannte. Sebastian B. schildert, dass sein Hass allen gilt, die das System von Statussymbolen, Gruppendruck und Mobbing in der Schule initiieren und aufrechterhalten. Er ist überzeugt, dass jeder, der anders als die Masse ist, „ein einsamer Verlierer ist“. Die Schuld daran sieht er jedoch nicht nur bei Mitschülern und Lehrern, sondern vor allem auch bei den Medien, die vermitteln, was der Mainstream ist, also was man besitzen muss und wie man aussehen muss um „cool“ zu sein.

Die Dokumente zeigen auch, dass Sebastian B. in den Jahren vor der Tat, in denen er das Massaker plante, sich immer mehr zurückzog. Er schreibt in seinem Online-Tagebuch 2005, dass er nicht mehr ins Schwimmbad geht um „nicht noch mehr Scheiße zu erleben“ und schließlich möchte er sich nur noch bei denen rächen, die sein Leben zerstört haben. Bereits im Juni 2004 sucht er im Internetforum „das-beratungsnetz.de“ Hilfe: „Ich weiß selber nicht woran ich bin, ich weiß nicht mehr weiter, bitte helft mir“ und „Ich habe mich versteckt [vor einem Klassenkameraden, der ihn verprügeln wollte], seitdem hatte Ich Angst. Diese Angst schlägt so langsam in Wut um. Ich fresse die ganze Wut in mich hinein, um sie irgendwann auf einmal rauszulassen, und mich an all den Arschl**hern zu rächen, die mir mein Leben versaut haben.“ Er bezieht sich dabei auf Mitschüler „die immer nur auf die Schwächeren gehen können.“ Bereits in diesem Posting von 2004 redet er offen von Gedanken an einen Amoklauf.

Löst Mobbing Amokläufe aus?

Selbstverständlich ist seine Gewalttat durch nichts zu entschuldigen und aufs Schärfste zu verurteilen. Es ist auch klar, dass Sebastian B. lediglich seine subjektiven Empfindungen schildert und sich eine inakzeptable anarchistische und hasserfüllte Weltanschauung aufgebaut hat. Die Probleme, die er beschreibt, kennen jedoch viele Jugendliche: Gruppenzwang, Statusdenken und Mobbing in der Schule gehören zum Alltag vieler Schüler. In Deutschland tauchten vor wenigen Monaten Fälle in der Presse auf, in denen das körperliche Quälen von Schülern mit Videokameras aufgezeichnet wurde. Es sollte aber nicht dieser medienwirksamen Fälle bedürfen, um der Masse der Bevölkerung zu zeigen, wie rau der Schulalltag besonders für Außenseiter sein kann, denn fast jeder kann sich noch an einen Klassenkameraden erinnern, der gehänselt oder gequält wurde oder erinnert sich an seine eigenen Probleme in der Schulzeit.

In meiner eigenen Schule, einem Gymnasium auf dem Land, wurden gleich mehrere Schüler über Jahre hinweg psychisch und physisch gequält. Dies ging sogar soweit, dass es gegen eine Schülerin X einen Anti-X-Club gab, in dem fast die ganze Klasse Mitglied war. Inklusive Clubzeitschrift und Clubhymne versteht sich. Die Schülerin X wurde über Jahre beschimpft und gedemütigt und fast niemand wollte etwas mit ihr zu tun haben, um nicht auch in die Ungunst der Klassenmehrheit zu geraten. Ein anderer Klassenkamerad wurde, weil er sich in der Pubertät nicht traute zu duschen, zum Außenseiter. Er wurde als „Stinker“ bezeichnet, bei jeder Gelegenheit beleidigt und geschlagen und schließlich mit Gewalt ausgezogen und unter die Dusche gezerrt. Würde so etwas aus Guantanamo berichtet, würde man es schlichtweg Folter nennen.

Auch der Einfluss der Medien auf das Konsumverhalten von Jugendlichen und die Wichtigkeit von Statussymbolen ist bekannt. Früher wurden Erstklässler zu Außenseitern, wenn sie keinen Scout-Schulranzen hatten, heute sind sie es, wenn sie nicht den aktuellsten Jamba-Klingelton für ihr Mobiltelefon aktiviert haben. Jeder der schon einmal den Schmerz von Mobbing oder von nicht akzeptiert werden erlebt hat, kann sich vielleicht vorstellen wie sich ein Menschen fühlen muss, der über Jahre ausgestoßen, gedemütigt und gequält wird und jeder kann nachvollziehen, dass bei so etwas neben anderen starken Emotionen Hass entsteht. Die von Sebastian B. gelieferten Begründungen sind also der Schlüssel zum Verständnis seiner schrecklichen Tat.

Deutschland hat den weltweit verbindlichsten Jugendschutz

Man hätte also annehmen können, dass dadurch, dass die Hintergründe und Motive der Tat diesmal vom Täter selbst ausführlich und nachvollziehbar dokumentiert sind, eine ernsthafte und fruchtbare Diskussion in Deutschland stattfindet. Die Frage nach dem Warum wäre diesmal nicht verhallt, denn der Täter hat seine Tat ausführlich begründet. Es hätte eine Diskussion über Schulklima, Mobbing, Gruppendruck, Integration von Außenseitern, bessere Früherkennung von Problemfällen und Gewaltpotenzialen in den Schulen, sowie über Einrichtung und Verbesserung von Hilfsangeboten für Problemschüler geben können. Solch eine Diskussion wäre in Deutschland nicht nur dringend nötig, sie würde, die richtigen Konsequenzen vorausgesetzt, wohl auch zu einer Verhinderung neuerlicher Gewaltexzesse und einem besseren Miteinander unter Jugendlichen beitragen können.

Statt solch einer sinnvollen Diskussion sind die Spalten der Zeitungen und die Sondersendungen in TV und Radio jedoch seit Wochen mit überwiegend einseitigen Berichten über ein Verbot von Computerspielen mit Gewaltinhalten gefüllt. Es wird dabei vermehrt der Eindruck vermittelt, als wären diese Spiele bösartige Maschinen, die gesunde und glückliche Kinder in geisteskranke Amokkiller verwandeln. Es wird das Bild vom Zwölfjährigen vermittelt, der sich von seinem Taschengeld beliebig blutrünstige Spiele im Laden kaufen kann. Dabei besitzt Deutschland mit der USK eine der besten, wenn nicht die beste, Prüfinstanz der Welt. Leider scheinen nur Computerspieler selbst zu wissen, wie schwer es gewalttätige Spiele in Deutschland seit vielen Jahren haben: Oft erscheinen sie gar nicht oder kommen nur zensiert auf den Markt. Kein Spiel erscheint hierzulande ohne Altersfreigabe und Klassifizierung.

Gears of War, das momentan weltweit beliebteste Spiel für Microsofts neue Xbox-360 Spielkonsole, welches nach Meinung vieler ausländischer Spielezeitschriften „der Nummer-1-Grund dafür ist, sich eine Xbox-360 zu kaufen“, wird z.B. erst gar nicht in Deutschland veröffentlicht, da der Hersteller nicht mit einer Jugendfreigabe des Spiels rechnet. In allen anderen Ländern ist das Spiel frei erhältlich.

Die immer wieder in den Medien erwähnten „Killerspiele“ wie Quake, Doom oder Soldier of Fortune sind in Deutschland seit ihrem Erscheinen indiziert und dürfen damit nicht beworben und offen zum Verkauf angeboten werden. Jugendliche bekommen die Spiele, anders als in anderen Ländern, damit in Geschäften überhaupt nicht zu Gesicht und Erwachsene müssen zum Erwerb nach dem Spiel fragen und per Ausweis ihre Volljährigkeit belegen. Bei Versandhändlern wie z.B. amazon.de kann Ware, die keine Jugendfreigabe erhalten hat, zwar bestellt werden, jedoch nur von Erwachsenen mit eigenhändiger Paketübergabe. Somit ist der Jugendschutz in Deutschland mehr als ausreichend. Die USK schreibt in einer Pressemitteilung vom 22.09.2006: „Unter den demokratischen Rechtsstaaten der Welt hat Deutschland den verbindlichsten Jugendschutz. Viele Computerspiele gelangen aufgrund des durch die USK und durch die BPjM gestalteten Jugendschutzes gar nicht in die hiesigen Angebote, teilweise auch, weil auf eine Markteinführung hierzulande von vornherein verzichtet wird. Und: in keinem anderen Land wird jedes Spiel vor der Altersfreigabe durch ein Gremium unabhängiger Experten begutachtet und bewertet.“ Spielen Jugendliche für sie verbotene Spiele trotzdem, so haben sie diese entweder illegal erworben oder die Spiele wurden rechtswidrig von Erwachsenen weitergegeben, was in Deutschland einen Straftatbestand darstellt.

Ablenkungsfeuerwerk zur Stammtischbefriedung

Dass also trotz des vorbildlichen Jungendschutzes über ein Verbot „diskutiert“ wird, sollte nicht nur die Millionen Computerspieler in Deutschland erzürnen, sondern auch jeden freiheitsliebend und demokratisch gesinnten Menschen. Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass nicht jeder jedes Spiel gutheißt. Aber egal, ob man Spiele, in denen Kugeln fliegen, prima findet oder sie verachtet, wenn es um Verbote geht, wird immer auch die Freiheit von Erwachsenen beschnitten und die Erhaltung von Freiheit sollte in einer Demokratie das Streben eines Jeden sein. Auch wer Computerspiele und vor allem Spiele mit gewalttätigen Inhalten schlecht findet, sollte bedenken, dass es einen Unterschied gibt zwischen etwas schlecht finden und etwas anderen Erwachsenen verbieten zu wollen! Das folgende Zitat von Evely Beatrice Hall wird oft auch Voltaire zugeordnet. Es drückt sehr gut aus, worum es in einer freiheitlichen Demokratie geht, nämlich um Tolerierung von Meinungen, Lebensweisen und Eigenheiten anderer: “Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.” Denn genauso wie man in einer freiheitlichen Demokratie andersartige Meinungen tolerieren muss, muss man auch andersartige Lebensweisen und Vorlieben tolerieren. Verbote von Kulturgütern wie Computerspielen erinnern fatal an die Verbrennung von Büchern und an die Vernichtung „entarteter“ Kunst. Solche Exzesse sollten nur in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft Deutschlands liegen.

Nach einer Tat wie der in Emsdetten herrscht in der Gesellschaft Ratlosigkeit und Angst: Die Menschen fragen sich, warum solche schrecklichen Dinge passieren können, was denn mit der Jugend von heute los sei. Eltern fürchten sich, wollen ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken. Jeder fühlt sich irgendwie hilflos und zugleich wütend, dass so etwas passieren konnte. In einem solchen Klima werden dann auch schnell „Konsequenzen“ und die Suche von „Schuldigen“ gefordert und es kommt in solchen Situationen dann häufig auch zu Rücktritten von Spitzenpolitikern. Im Fall von Emsdetten hätte man die Schuld zunächst am Täter selbst festmachen können, dann hätte man sachlich und rational die Hintergründe der Tat klären können, z.B. durch Lesen der oben erwähnten Hinterlassenschaften, und dann wäre wohl eine Diskussion angebracht gewesen darüber, was in unserer Gesellschaft falsch läuft, wenn Jugendliche sich abschotten, verzweifeln und dann möglichst medienwirksam ihren Selbstmord und Rachefeldzug an der Gesellschaft inszenieren. Eine solche Diskussion wäre komplex und würde auch die Mitverantwortung von Eltern, Lehrern, Mitschülern und Medien hinterfragen. Sie würde garantiert nicht schnell zu einer Lösung kommen und wäre daher kein Balsam auf die Wunden der getroffenen Bevölkerung.

Da die aufgebrachte Masse aber einfache Lösungen braucht und komplizierte und langwierige Diskussionen über Probleme in der Gesellschaft auch nicht sehr schlagzeilenkompatibel sind, wird lieber ein riesiges Ablenkungsfeuerwerk gestartet: Ein Hobby von Sebastian B. waren ja Computerspiele und einige von denen, es ist aus der Berichterstattung nicht klar welche, hatten ja auch gewalttätige Inhalte - Killerspiele also! Die üblichen Verdächtigen, hauptsächlich in der CDU/CSU zu finden, melden sich dann auch schon mit alten Forderungen zu Wort, bevor das Blut getrocknet ist und bevor überhaupt irgendeine Chance bestand auch nur einen kurzen Blick auf die Hintergründe der Tat zu werfen. Und so wird aus dem gemobbten, verzweifelten, wütenden Außenseiter Sebastian B. ein leidenschaftlicher Killerspielefan, der sich in ominösen „virtuellen Welten“ das Töten antrainiert hat.

Das ist nicht nur wesentlich stammtischkompatibler und beruhigender, als wenn in der Gesellschaft an sich etwas im Argen liegen würde, die implizierte Killerspiele-machen-Killer-Begründung liefert auch gleich ein viel einfacheres Lösungsrezept als die Diskussion über soziale Verantwortung, Schulklima und Prävention: Killerspiele sind schuld, also müssen sie verboten werden! Klar, dass so kurz nach der Tat noch niemand anderes kompetente Lösungsvorschläge hat und so dominieren eben die Spiele die Schlagzeilen und befrieden die Stammtische.

Killerspiele - Was ist das?

Dabei ist das (offenbar von Edmund Stoiber erfundene) Wort „Killerspiele“ bereits ein propagandistisches Meisterwerk! Der Begriff ist sehr abstrakt und damit komfortabel auf individuelle Computerspiel-Feindbilder, die in der Bevölkerung existieren, anzupassen. Der Begriff passt so auch bequem auf fast alle Actionspiele, die man heute auf Festplatten von Computerspielern findet. Die Bezeichnung als Killerspiel hat das Abnormale bereits innewohnend und reduziert auch komplexe, technisch brillante Spiele, bei denen es auf Taktik, Teamwork und Geschick ankommt, automatisch auf das stumpfe virtuelle Töten von Menschen und verbittet daher jegliche Diskussion über etwaige positive Qualitäten eines solchen Spiels: So ist es ja auch viel einfacher einem spannenden Actionspiel als gutes Spiel zu verteidigen, als Positives an einem „Killerspiel“ hervorzuheben.

Würde man so den hoch gelobten neuen James Bond (FSK12), in dem Daniel Craig gleich zu Anfang kaltblütig und mit einem coolen Spruch auf den Lippen einen praktisch unbewaffneten Gegner erschießt, auf Tötungshandlungen durch die Hauptfigur reduzieren, so könnte man auch Casino Royal als einen „Killerfilm“ bezeichnen. Ein Verbot von James Bond in Deutschland wäre, der Logik der Verbotseiferer folgend, also spätestens dann fällig, wenn im Zimmer eines Gewalttäters eine Bond-DVD gefunden werden würde.

Der Begriff „Killerspiel“ hat aber gerade den Vorteil, dass er weniger als z.B. das Wort „Gewaltspiel“ an solche uralten Diskussionen über „Gewaltfilme“ erinnert, die bereits vor Jahrzehnten geführt wurden. Damals waren Filme im Verdacht, die Jugend zu verderben. Denn wer sich an die Gewaltfilm-Debatte erinnert und erkennt, dass es sich bei der aktuellen Kampagne um eine Aufwärmung und Übertragung von alten Argumenten auf neue Medien handelt, der erinnert sich wohl auch an die Argumente gegen die gefährliche Wirkung von Heavy-Metal-Musik. Wie war das noch mit den satanischen Botschaften, wenn man die Langspielplatte rückwärts abspielt? Oder gar an die vor langer Zeit in den USA heiß geführte Debatte über das Teuflische des Rock’n’Roll, der für die Verrohung der Jugend verantwortlich gemacht wurde und verboten werden sollte. Und wer so denkt, dem wird womöglich schnell klar, dass es sich bei der aktuellen Kampagne um die Austragung eines schwelenden Generationskonflikts handelt, leider auf Kosten der Opfer von Emsdetten. Zwar hat sich das Alter der Computerspieler in den letzten Jahren erheblich erhöht, jedoch sind Computerspiele immer noch das Medium der Jungen, das von großen Teilen der älteren Generationen nicht verstanden wird.

Generationskonflikt wird auf dem Rücken der Opfer ausgetragen

So wundert es auch nicht, dass gerade konservative Politiker die Verbote am lautesten fordern. Interessant ist zudem, dass die Verbotseiferer selbst nie Computerspiele und schon gar nicht die von ihnen als „Killerspiele“ diffamierten Spiele gespielt haben! Damit wissen die Politiker, welche sich jetzt mit immer strengeren Verbotsvorschlägen überbieten, gar nicht, wovon sie eigentlich reden. Herr Bosbach gibt dies im Spiegel-Interview auch offen zu. Ein typisches Beispiel von Irving’schen Apfelhaus-Regeln: Regeln, die von Menschen gemacht werden, die keinen Bezug zu den Lebensumständen der durch die Regeln Betroffenen haben und die damit für die Betroffenen keinen Sinn machen und faktisch ungültig sind!

Bei all den Ablenkungsmanövern und Ersatzdiskussionen fragt man sich, ob überhaupt ein Interesse daran besteht, die wahren Beweggründe zu ermitteln. Nach dem Massaker von Robert Steinhäuser in Erfurt sagte Angela Merkel am 3. Juli 2002 im Bundestag:

„Wir müssen nicht verstehen und nachvollziehen, warum ein 19-Jähriger 16 Menschen und anschließend sich selbst erschossen hat. Aber wir müssen Konsequenzen ziehen, um ein weiteres Erfurt wenn nicht unmöglich, so doch weniger wahrscheinlich zu machen.“

Offenbar besteht oder bestand tatsächlich kein Interesse. „Nicht verstehen?“ Wie soll es möglich sein, vernünftig „Konsequenzen ziehen“, wenn nicht verstanden wird, was die Täter motiviert? Wie können weitere potenzielle Täter früherkannt werden, wenn nicht einmal die vorherigen Tatmotive begriffen wurden? Nur mit einer solch offensichtlich kopflosen Haltung lassen sich Schnellschüsse und Symptombehandlung wie Computerspieleverbote begründen. Doch es geht noch schlimmer, denn in der Rede von Frau Merkel hieß es weiter:

„Wer das Unverständliche verstehbar und das Unerklärbare erklärbar machen möchte, der muss aufpassen, dass er sich nicht – zumindest unterschwellig – auf die Seite des Täters stellt und versucht, das Unentschuldbare mit irgendwelchen Umständen zu erklären.“

Man könnte eine Warnung an Klardenker und Menschen, die sich wirklich für die Tathintergründe, fernab populistischer Feindmuster und Einfach-Erklärungen interessieren, wohl kaum deutlicher formulieren. Mit solchen Äußerungen wird von vorne herein eine offene Debatte verhindert und jeglicher rationale, vielleicht sogar neue, Erklärungsansatz wird zur potenziellen Verbrüderung mit Tätern. Dabei ist es doch legitim, die Motive eines Täters zu verstehen. So können z.B. auch Geldsorgen als Motiv eines Bankraubs nachvollzogen werden, ohne dass dies den Raub gerechtfertigt oder den Bankräuber weniger verantwortlich macht.

Als „Killerspiele“ diffamierte Spiele sind das Hobby von Millionen Deutschen

Nicht nur das perfekte Timing mit dem die Anti-Spiele-Argumente vorgebracht wurden, auch die geschickte Begriffsbildung für bestimmte Actionspiele, die Brandmarkung von Sebastian B. als Killerspielefan, die Ignorierung von hervorragenden Jugendschutz-Maßnahmen in Deutschland und die Emotionalisierung der Debatte tragen propagandistische Züge. Auch die Ziehung logischer Schlussfolgerungen, wo keine existieren bzw. wo diese unzulässig sind und die generelle Verdrehung von Fakten und deren Vermischung mit Mutmaßungen hat in der Berichterstattung ein nicht zu tolerierendes Maß: So werden „Experten“, die oft gar keine Wissenschaftler sind, befragt, ob ein übermäßiger Konsum von gewalttätigen Spielen bei Kindern und Jugendlichen zu erhöhter Gewaltbereitschaft führt. Bei diesem Thema spalten sich die Meinungen und die Ergebnisse von Studien. Von einem Kausalzusammenhang geht jedoch niemand aus. Trotzdem wird immer wieder unterschwellig die Annahme vermittelt, dass die Computerspiele Schuld seien.

Sowohl Robert Steinhäuser als auch Sebastian B. hatten Computerspiele mit gewalttätigen Inhalten auf ihren Computern. Ist das erstaunlich? Wenn man betrachtet, dass jeder dritte Jugendliche (laut Spiegel) allein das Spiel Counter-Strike gespielt hat, ist es anzunehmen, dass noch wesentlich mehr Jugendliche überhaupt solche Spiele spielen. Betrachtet man dann noch, dass die Mehrheit der Actionspiele-Spieler männlich ist und dass Jugendliche, die eher zurückgezogen sind, häufiger spielen, so scheint es nur natürlich, dass bei den Amokläufern, die ja aus dieser Gruppe stammen, solche Spiele gefunden wurden. Den Umkehrschluss herzustellen, also dass aus „bei Amokläufern findet man meist Gewaltspiele“ wird „wenn man Gewaltspiele findet, handelt es sich um einen potenziellen Amokläufer“ oder „Gewaltspiele rufen Amokläufe hervor“ ist nicht nur absurd, sondern auch logisch falsch. Vielmehr spielen Amokläufer einfach die gleichen Spiele wie Millionen andere Deutsche. Genauso, wie sie das gleiche Bier trinken, die gleichen Filme sehen und die gleichen Autos fahren.

Kein Bedarf für ein Verbot

Selbst Befürworter der These, dass ein übermäßiger Konsum von Spielen zu erhöhter Gewaltbereitschaft führen kann, bestreiten, dass Computerspiele gesunde Jugendliche in Killermaschinen verwandeln können. Sie behaupten allenfalls, dass bereits existierende Gewaltpotenziale eventuell vergrößert werden können. Ob dies wirklich so ist, ob es keinerlei Zusammenhang gibt oder ob eine Minderung von Gewaltpotenzialen und Aggressionen stattfindet, wird kaum durch verlässliche und schlüssige wissenschaftliche Studien zu belegen sein. Trotzdem wird der Negativ-Zusammenhang oft als Tatsache angenommen und ist, maßlos übersteigert, die Grundlage der Argumentation von Verboten.

Aber stellt sich die Frage nach einem Zusammenhang denn überhaupt? Laut dem Jugendschutzgesetz in Deutschland sind die Spiele, über die gestritten wird und deren negativer Einfluss auf Jugendliche untersucht wird, für Kinder und Jugendliche doch gar nicht freigegeben. Es wird also diskutiert, ob es schlecht ist, wenn Jugendliche etwas tun, was ihnen ohnehin bereits verboten ist. Die aktuelle Diskussion ist also in etwa so, als würde man diskutieren ob Autofahren für 14-jährige, die laut Gesetz ja gar keine Autos fahren dürfen, denn gefährlich sei. Sollte man deshalb Autos generell verbieten?

Selbst wenn Wissenschaftler also schlüssig beweisen könnten, dass Gewaltspiele Jugendliche negativ beeinflussen, gäbe es in Deutschland keinerlei Gründe für eine Änderung bestehender, strenger und vorbildlicher Gesetze! Genauso sieht es auch das Bundesjugendministerium. Auf eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion gab das Ministerium im August 2006 eine klare Antwort: Es gebe keine Notwendigkeit für gesetzliche Verschärfungen in Richtung eines Verbots von „Killerspielen“, da die Regulierungen in Deutschland gut funktionieren und die Arbeit der USK lobenswert ist. In der Antwort des Ministeriums wird auch die praktische Arbeit der Jugendschützer ausdrücklich gelobt und darauf hingewiesen, dass die Forschung zu virtueller Gewalt auf Jugendliche ein breites Spektrum von Ergebnissen hervorbringe: “von keinerlei Auswirkung über Aggressionssteigerung, Verrohung bis zum Aggressionsabbau”.

Vom Aggressionsabbau sprechen vor allem auch die eigentlichen Spieler solcher Spiele, deren Meinung in der öffentlichen „Diskussion“ überraschenderweise am wenigsten gefragt ist. Sicher würde ein cleverer Student, der ab und zu eine Runde Quake zum Abreagieren spielt, das mühsam aufgebaute Bild vom sozial isolierten und dumpfen Killerspieler genauso zerstören wie der Familienvater, der sich nach einem stressigen Arbeitstag eine Partie Counter-Strike gönnt und dann die Kinder ins Bett bringt. Überhaupt wird in den Nachrichtenmedien oft das Bild vermittelt, Spiele wie Counter-Strike würden nur von einsamen Jugendlichen mit Gewaltphantasien gespielt. Die Realität ist hingegen, dass diese Spiele ein „Volkssport“ sind. Das Spielen solcher Spiele wird auch als Elektronischer Sport (E-Sport) bezeichnet, der ähnlich wie andere Sportarten in Ligen organisiert ist. Die Electronic Sports League zählt z.B. über 600.000 Mitglieder. Weltweit macht die Computerspielebranche mehr Umsatz als Hollywood an den Kinokassen. Computerspiele sind somit in drei Jahrzehnten zu einem weltweiten Kulturphänomen mit vielen Millionen Anhängern geworden. Die Spiele, welche Stoiber, Beckstein, Wulff und andere jetzt verbieten möchten, gehören zu den meistverkauften. Sie sind nicht die Beschäftigung einiger verstörter Jugendlicher, sie sind das Hobby von Millionen Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten in Deutschland! Millionen Deutsche würden also von einem weltweiten Kulturphänomen ausgeschlossen und für die Ausübung ihres Hobbys kriminalisiert. Das klingt eher nach mittelöstlichem Gottesstaat als nach freiheitlicher Demokratie!

Wen kriminalisieren wir als nächstes?

Gerade wenn man sieht, dass der Jugendschutz in Deutschland sehr gut ist und dieser selbst von der EU-Kommission als vorbildlich bezeichnet wird, ist es umso fragwürdiger warum Spiele plötzlich auch für erwachsene Menschen verboten werden sollen. Günther Beckstein, der für provokative und medienwirksame Äußerungen bekannt ist, fordert gar, das Spielen von Computerspielen mit Konsum von Kinderpornographie gleichzusetzen. Bis zu zwei Jahre Haft soll es bei Gesetzesverstößen geben. Ist das die Lösung der Politik? Jugendliche (und Erwachsene) mit Kinderpornographen gleich zu stellen und sie ins Gefängnis zu sperren, wenn sie bestimmte Spiele spielen, die nicht in die vorherrschende Moralvorstellung passen? Was ist mit dem Selbstbestimmungsrecht von Erwachsenen? Was wird demnächst noch alles verboten in Deutschland? Formel-1-Schauen, weil ein Zusammenhang mit Autobahnrasen besteht? Sportwagen aus demselben Grund? Reggae-Musik weil sie zum Marihuana-Konsum anregt? Oder wie wäre es mit Scheidungen, weil dadurch Familien zerbrechen?

Von den meisten Politikern wird gar nicht erörtert, was ein Verbot praktisch bringen soll, angesichts der Tatsache, dass die Spiele für Jugendliche ja bereits verboten sind. So zeigt sich die USK in ihrer Pressemitteilung vom September 2006, also schon vor der neuerlichen Hysterie nach Emsdetten, überrascht von den damaligen Forderungen von Niedersachsens Innenminister Schünemann und von Prof. Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), einem der Hauptkritiker von Computerspielen in Deutschland. Diese hatten, medienwirksam versteht sich, gefordert, dass „Gewalt verherrlichende Spiele nicht in Kinderhände gehören“. Die USK antwortete:

„In einem stimmen wir dem Innenminister und dem Direktor des KFN unbedingt zu: Gewalt verherrlichende Spiele, bei denen es ums Töten geht, gehören nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen. Aber: die Verbreitung Gewalt verherrlichender Spiele ist in Deutschland laut § 131 StGB schon jetzt verboten. Wenn Herr Prof. Pfeiffer entdeckt hat, dass solche Spiele „auf dem Markt sind“, d.h. öffentlich angeboten oder zugänglich gemacht werden, sollte er das der Staatsanwaltschaft melden.“

Das Problem besteht also keinesfalls darin, dass solche Spiele in Deutschland für Kinder und Jugendliche erhältlich sind, sondern höchstens darin, dass Jugendliche auf anderen Wegen an die Spiele kommen. Aber sollte man daher die Spiele auch für Erwachsene verbieten und würde das überhaupt die erwünschte Wirkung bringen? Laut CDU-Vize Bosbach steht „der Schutz von Jugendlichen über dem Selbstbestimmungsrecht von Erwachsenen“ und daher fordert er ein Verbot der Spiele für alle Menschen, die in Deutschland leben. Er sieht das Problem also augenscheinlich darin, dass ein Erwachsener ein Spiel für einen Jugendlichen kaufen kann. Die Schlussfolgerung, daher den Erwachsenen die Spiele zu verbieten ist allerdings absurd, denn sie müsste sofort ein Verbot aller Produkte nach sich ziehen, die Erwachsene erwerben und nutzen dürfen, Jugendliche aber nicht. Das wären z.B. Alkohol, Zigaretten, Autos, Filme ab 18 und vieles mehr, denn dort ist das Problem gleich. Bei Alkohol und Zigaretten könnte man sich sogar die Diskussion über Schädlichkeit bei übermäßigem Konsum sparen und sofort verbieten, denn es ist belegt, dass es viele Verkehrstote durch Alkohol gibt, dass durch Sucht Leben zerstört werden, dass Familien zerbrechen und dass es zu häuslicher Gewalt durch Trinker kommt.

Argumentation der Verbotseiferer nicht logisch

Sicherlich würde eine solche wirklich logische Schlussfolgerung einigen der Verbotseiferer jedoch übel aufstoßen. So z.B. Herrn Stoiber, der sich immer wieder gerne beim Fass-Anstechen und mit dem Weißbier in der Hand filmen lässt. Warum gibt es also nicht nach jedem tödlichen Verkehrsunfall mit Alkoholeinfluss eine Debatte um ein Verbot? Das wäre wirklich logisch und konsequent, da ein Kausalzusammenhang zwischen Konsum und Negativauswirkung besteht. Aber scheinbar ist logische Schlüssigkeit in der aktuellen Diskussion weniger gefragt: So ist auf Focus online am 22.11.2006 über Christian Wulff zu lesen: “Niedersachsens Ministerpräsident hat nach dem Amoklauf eines 18-Jährigen in einer Emsdettener Realschule ein Verbot von Killer-Computerspielen gefordert.” Herr Wulff gehört also auch zu denjenigen, die Erwachsenen Menschen ihr Hobby verbieten möchte. Nur etwas mehr als zwei Wochen später ist wieder auf Focus online ein Zitat von Wulff zu lesen, diesmal zum Rauchverbot in Gaststätten: „Der Staat sollte sich nicht in alle Lebensbereiche einmischen, nicht alles gesetzlich regeln und sollte nicht dort Verbote schaffen, wo Menschen ihre Freiheit eigenverantwortlich nutzen müssen“.

Nach Angaben des deutschen Krebsforschungszentrums sterben jährlich 3300 Nichtraucher an den Folgen von Passivrauchen. Angesichts der Tatsache, dass es sich beim „Rauchverbot“ gar nicht um ein Verbot von Zigaretten, sondern nur um Rücksichtnahme auf Nichtraucher, die vom Qualm krank werden, handelt und dass bei Computerspielen noch nicht einmal die Möglichkeit einer erhöhten Gewaltbereitschaft, wissenschaftlich erwiesen ist, scheint es so, als ob der Spieleindustrie, im Unterschied zur Tabakbranche, einfach nur eine mächtige Lobby in Deutschland fehlt. Das ist kein Wunder, denn bisher hat es nur ein einziger, relativ kleiner, deutscher Spielehersteller geschafft, sich im Action-Bereich international zu etablieren.

Doch selbst wenn sich die unbequemen Fragen nach individueller Freiheit, und Menschenverstand nicht stellen würden, selbst wenn ein Verbot begründet und angebracht wäre, selbst wenn man einmal klar definiert hätte, was ein Killerspiel eigentlich ist und eine Institution hätte, die bestimmte Spiele für alle Menschen in Deutschland verbieten würde: Was würde passieren? Würden dadurch Jugendliche keine solchen Spiele mehr spielen? Dies ist ernsthaft zu bezweifeln. Da die Spiele im Rest der Welt erlaubt und - anders als in Deutschland - auch für Jugendliche zugänglich sind, können sie dort auch erworben werden. So auch in unseren Nachbarländern. Aber auch ohne diese Möglichkeit wäre der Bezug für Jugendliche kein Problem, denn der Bezugsweg für indizierte Spiele ist meist nicht der befreundete Erwachsene, der die Spiele kauft, sondern das Internet. Mit immer schnelleren Datenleitungen lassen sich die Spiele in Minutenschnelle aus dem Internet laden. Um ein Verbot zu überwachen, müssten also nicht nur Postpakete geöffnet werden, sondern auch Internetleitungen ständig überwacht werden. Vielleicht könnte man sich, falls so etwas ernsthaft durchgeführt werden soll, dabei von ehemaligen Stasi-Offizieren beraten lassen.

Freie Meinungsäußerung unterbunden

Wenn ein Spieleverbot also weder begründet noch sinnvoll ist, stellt sich die Frage, warum die Debatte sich so lange in den Medien hält, warum nicht über die eigentlichen, von Sebastian B. detailliert genannten Gründe diskutiert wird. Man muss sich weiter fragen, warum die vielen Gegner eines Verbots in den Medien nahezu ungehört bleiben.

Dies ist wohl mit dem momentanen politischen Klima zu begründen, dass einem altbekannten Manipulationsmuster folgt: Durch eine geschickte Verknüpfung von einer schrecklichen Tragödie mit einem politischen Ziel, dass als Allzweckwaffe gegen weitere Tragödien gepriesen wird, erreichen die Befürworter des Ziels eine gewisse moralische Hoheit und werden von der Masse als „die Guten“ wahrgenommen. Dies führt zum einen dazu, dass die Verfechter des politischen Ziels Popularität als „Macher“ erreichen und dass Gegner des Ziels zu den „Bösen“ werden und automatisch eine moralisch niedrigere Position vertreten.

Dieses Muster ist z.B. bei der Forderung nach Überwachungskameras nach Entführungsfällen zu beobachten und auch bei der Forderung nach Telefonabhörmaßnahmen nach Terroranschlägen. Wer sich nach einer Kindesentführung gegen Überwachungskameras ausspricht, ist plötzlich kein Bürgerrechtler mehr, sondern ein Sympathisant von mordenden Päderasten. Wer gegen Telefonabhören argumentiert, ist kein besorgter Bürger, der sich vor der Aushöhlung seiner Privatsphäre und vor Stasi-Methoden fürchtet, sondern ein Terrorsympathisant. Jene Menschen, die jetzt bei Computerspielen an Freiheit und Toleranz appellieren und vor Aktionismus und Schnellschüssen warnen, haben den nächsten Amoklauf zu verantworten. Und so kommt es, dass Spitzenpolitiker wohl überlegen müssen, wie sie sich im momentanen politischen Klima zu der Verbotsdebatte äußern. Auch dadurch dominieren Scharfmacher die Berichterstattung, denn sie haben (leider) nichts zu verlieren.

Und auch der Bevölkerung wird weiß gemacht, dass ein Verbot gebraucht wird. Kaum jemand weiß um den exzellenten Jugendschutz in Deutschland. Es wird ein Klima erzeugt, in dem eine Abneigung gegen Spiele mit Gewaltinhalten gleichbedeutend mit einer Verbotsforderung derselben ist. Es findet keine Differenzierung statt, zwischen etwas persönlich schlecht zu finden und etwas anderen Menschen verbieten zu wollen. Wer Gewaltspiele nicht mag, ist somit automatisch für ein Verbot. Dabei ist es völlig legitim, Ballerspiele als Ekel erregend und unnütz zu betrachten und Computerspiele im Allgemeinen als üble Zeitverschwendung zu sehen, ohne diese jedoch verbieten zu wollen! Es ist auch nachvollziehbar, wenn Nicht-Spieler den Unterhaltungswert solcher Spiele nicht verstehen. Es gibt ja auch Menschen, die nicht verstehen, was denn bitte so toll sein soll, wenn 22 Leute 90 Minuten lang einem Ball hinterher rennen oder eine Horde in PS-Boliden im Kreis herumrast und dabei das Leben riskiert.

Doch wo kommen wir hin, wenn Abneigungen in Verbote münden und enge Moralvorstellungen in Gesetze gegossen werden? Ist es nicht der große Verdienst und der Stolz West-Europas, das es hier so etwas nicht gibt? Dass jeder Mensch die Freiheit hat, so zu leben wie er möchte? Wenn jeder alles verbieten könnte was ihm nicht passt, wären wir bald in einem totalitären Polizei- und Überwachungsstaat in dem nur noch eine Art zu leben toleriert wird und in dem es keinen Fortschritt gibt. Warum verbieten wir nicht Fußball, wenn es doch jede Woche zu Hooligan-Ausschreitungen kommt?! Warum verbieten wir nicht Autorennen? Die sind gefährlich, verschmutzen die Umwelt und animieren zum Rasen! Warum nicht auch gleich Zigaretten, und Alkohol verbieten. Beides scheint sowieso ein Übel für die Jugend zu sein und wurde sicher auch von Robert Steinhäuser und Sebastian B. konsumiert. Oh, und natürlich muss man auch Pornographie verbieten. Immerhin schauen doch auch Vergewaltiger Pornofilme! Und was ist eigentlich diesmal mit den Schützenvereinen?

Woher die Idee zum Amoklauf wohl wirklich kam

Um der einseitigen und zum Teil heftig manipulativen Berichterstattung eine wissenschaftliche Grundlage zu geben, werden in Sondersendungen fast immer dieselben „Experten“ um Rat gefragt. Dabei handelt es sich z.B. um Professor Pfeiffer, über den im Spiegel am 15.12. stand „Will Deutschlands lautester Killerspiel-Kritiker Pfeiffer die Unterhaltungs-Softwareselbstkontrolle killen, um an deren Gelder zu kommen? Die USK und Deutschlands Spielentwickler sind wütend auf den Professor aus Hannover und werfen ihm Eigennutz vor.“ Bereits im September äußerte sich die USK über Pfeiffer: „Wir hoffen, noch immer, dass die Diskussion wieder auf eine sachliche Grundlage zurück findet und sich auf die klaren rechtlichen Regelungen bezieht, anstatt vermeintliche Erkenntnisse aus Forschungsvorhaben zu ziehen, die noch nicht einmal richtig begonnen wurden.“ Es ist zudem fraglich, ob von einem in der Zukunft liegendes Forschungsvorhaben, bei dem sich der Forscher bereits emotional über die (noch zu ermittelnden) Ergebnisse äußert, überhaupt eine unvoreingenommene Forschungsarbeit erwartet werden kann.

Nicht nur die Auswahl der „Experten“, die möglicherweise im Eigeninteresse handeln um Forschungsagenden bekannt zu machen und Forschungsgelder einzuheimsen (immerhin gibt es doch bei solch für die Menschheit gefährlichen Phänomenen immer viel Geld) wirft die Frage auf, warum die Presse den Forderungen bekannter Populisten so bereitwillig folgt. Sicher spielt die Quote eine Rolle, denn Schlagzeilen mit immer höheren Verbotsprovokationen bringen mehr Quote als schmerzende und komplizierte Introspektion einer Gesellschaft. Aber geht es hier wirklich nur um Quoten und um Stammtischbefriedung? Oder ist das Verhalten gerade der Fernsehberichterstattung in den wirklichen Hintergründen der Taten zu suchen? Lenkt die Behauptung, Killerspiele seien Quelle der Amokideen, nur von unbequemen Wahrheiten ab und von Debatten, in denen die Medienmacher selbst das Thema sind?

Um zu verstehen, wie man zu einer solchen Vermutung kommen kann, genügt z.B. ein Blick in den Untersuchungsbericht der Kommission Gutenberg Gymnasium zum Massaker Robert Steinhäusers in Erfurt 2002. Dort heißt es unter „Handlungen des Robert Steinhäuser und tatrelevante Geschehnisse bis zum Vorabend des Massakers“:

„20.4.1999 Amoklauf mit Suizid der Täter in Schule Littleton/USA. Die Erwähnung ist von besonderer Bedeutung, weil durch die Auswertung des Computers des Vaters durch das TKLA festgestellt wurde, dass eine Person (vermutlich RS) eine Recherche zum Littleton-Massaker durchgeführt hat.“

Beim Littleton-Massaker and der Columbine High-School in Colorado wurden 1999 zwölf Schüler und ein Lehrer von zwei als Außenseiter geltenden Schülern umgebracht. Dieses Massaker wird oft als die Urkatastrophe der modernen Schulmassaker gesehen. Weiter wird im Bericht der Kommission erwähnt, dass Robert Steinhäuser über Littleton gesprochen hat, die Durchführung gut fand und, laut eines Freundes, von den „Fernsehbildern, in denen gezeigt wurde, wie ein Schüler blutverschmiert aus dem Fenster gefallen ist, zugleich abgestoßen und fasziniert gewesen sei“. Zudem ging es laut eines Freundes von Robert Steinhäuser um Anerkennung und Aufmerksamkeit, „die größer ist als die mit dem Littleton-Massaker verbundene Aufmerksamkeit“.

Zwar gab es von Robert Steinhäuser keinen Abschiedsbrief, jedoch wurde auf seinem Computer eine Datei mit dem Namen „durchblick.doc“ gefunden. In dieser befand sich ein Text mit reichlich Kritik an den Nachrichtenmedien, da diese Computerspiele verteufeln und selbst das Geschäft mit grausamen Bildern betreiben. In dieser Datei steht wortwörtlich (in Bezug auf der zur damaligen Zeit vereitelten Amoklauf in Bayern): „Heute Mittag im Fernsehen. Vier 14 Jährige aus Bayern haben ein Blutbad in einer Schule geplant und können im letzten Moment überwältigt werden. Woher haben die Kurzen das blos? Ist das ein Szenario aus Unreal? Quake3? Duke Nukem? Oder haben 2 Wochen täglicher Berichterstattung und 20 Sondersendungen/Reportagen über Littleton gezeigt wie man so was erfolgreich umsetzt?“

Amokläufer als Idole der Ausgestoßenen

Sebastian B. war ebenfalls ein Bewunderer des Littleton-Massakers, welches von Eric Harris (Nickname REB) und Dylan Klebold (Nickname VoDKa) angerichtet wurde. In seinem Online-Tagebuch zählt er den Film „Bowling for Columbine“, der vom Massaker an der Columbine High School nahe Litlleton handelt, zu seinen Lieblingsfilmen. Er schreibt handschriftlich in sein Tagebuch:

26.09.2006

ERIC HARRIS [Amokläufer von Littleton]

Der wohl vernünftigste Junge den eine beschissene Highschool bieten kann… ERIC HARRIS IST GOTT! Da gibt es keinen Zweifel. Es ist erschreckend wie ähnlich er mir war. Manchmal kommt es mir vor als würde ich sein Leben noch mal leben, als wenn ich das alles noch mal wiederholen würde. Ich bin keine Kopie von REB, VoDKa, Steini […] Ich bin die Weiterentwicklung von REB! Aus seinen Fehlern habe ich gelernt, die Bomben. Aus seinem ganzen Leben habe ich gelernt.

Sebastian B. sah also ganz offensichtlich in Eric Harris (REB), einem der Amokläufer von Littleton, sein Idol und eiferte ihm ganz offensichtlich nach. Auch Harris und Klebold sahen sich als Außenseiter, die von ihren Klassenkameraden ausgestoßen wurden. Interessant ist auch, dass Harris und Klebold den Begriff „Jock“ für Personen, die sie verabscheuten, verwendet haben. Sebastian B. erklärte diesen Begriff in seinem Abschiedsbrief: „Jocks sind alle, die meinen aufgrund von teuren Klamotten oder schönen Mädchen an der Seite über anderen zu stehen“.

Die Funde bei Robert Steinhäuser lassen ebenfalls darauf schließen, dass er vom Littleton-Massaker inspiriert war. Die drei Taten ähneln sich also sowohl bei den Motiven als auch beim Vorgehen der Täter mit schwarzer Kleidung, mehreren Waffen, martialischem Gehabe und eingeplantem Suizid. Die Vermutung, es handle sich bei den Amokläufen in Deutschland um Nachahmungen der Littleton-Attentäter, liegt also nicht fern, sicherlich näher, als dass Computerspiele die Schuld tragen. Littleton ist somit für frustrierten Jugendlichen, die sich als Außenseiter sehen und deshalb Selbstmordabsichten hegen, sozusagen eine Blaupause. Harris, Klebold, Steinhäuser und jetzt eben auch Sebastian B. sind also die Idole von Jugendlichen, die ihr Umfeld hassen.

Eher medial inszenierte Selbsttötungen als Amokläufe

Die Taten sind dabei nicht, was gemeinhin unter einem Amoklauf zu verstehen ist. Die Massaker waren sorgfältig geplant, teilweise mit jahrelanger Vorlaufzeit. Der Selbstmord der Täter war dabei einkalkuliert. Von spontanen und unkontrollierbaren Wutausbrüchen kann nicht die Rede sein. Vielmehr handelt es sich um medial inszenierte Selbsttötungen. Sozusagen, aus den Augen der Täter, würdige Abgänge aus einer gehassten Welt, der sie endlich einmal zeigen, dass sie doch stärker sind als alle anderen. Dabei streben die Täter jeweils um Anerkennung. Durch das gigantische Medienecho auf jedes neue Massaker wird also nicht nur eine Bühne für solche Schreckenstaten geschaffen, auf denen die Täter zu Stars avancieren, sondern es werden auch Anleitungen und fatale Lösungen für extreme Konfliktsituationen an weitere potenzielle Täter geliefert. Dies führt zu einer möglichen Erklärung dafür, dass die Medienanstalten so bereitwillig auf die Anti-Spiele-Kampagne einsteigen: Eine offenere Suche nach Ursachen würde auch ihre eigene Rolle bei der Verbreitung von Amok-Ideen, der Erzeugung von Gewaltfantasien und der Inszenierung von Gewalttätern zumindest hinterfragen. Bereits in den 90er Jahren wurde die Rückkopplung zwischen Nachrichtenmedien und Gewaltverbrechen heftig diskutiert. Oliver Stone setzte dieser Idee 1994 mit seinem kontroversen Film „Natural Born Killers“ ein Denkmal.

Wie die wahre Gefahr ignoriert wird

In der Vorbildrolle, die Massaker wie das in Littleton und in Emsdetten ausüben, liegt die wirkliche Gefahr: Es werden extreme Rezepte für verzweifelte und nach Anerkennung strebende Jugendliche geliefert. Wer momentan die relevanten Kommentare von Jugendlichen in Internetforen und auf dem YouTube Videoportal liest, merkt schnell, dass sich zumindest viele mit den Hintergründen der Tat identifizieren und Sebastian B. verstehen können. So schreibt z.B. Benutzer 172Paddy172 auf YouTube.com „Schon mal seinen Abschiedsbrief gelesen? Seine Meinung war nicht die schlechteste. Er wurde nur niedergemacht!!“ Ein anderer Benutzer schreibt „Bastian hat in sehr vielen Teilen recht, manchmal ist es vielleicht etwas übertrieben. Aber so Gefühle kenne ich nur zu gut“. Ein weiterer Nutzer schreibt über den Abschiedsbrief (siehe Anhang): „Jeder Mensch sollte sich denn Brief in Deutschland durchlesen vielleicht kapieren sie es dann endlich und wachen wirklich auf“

Doch anstatt zu versuchen, jegliche Spuren von Sebastian B. aus dem Netz zu löschen, wie es im Moment durch die Polizei versucht wird, sollte aus den vorhandenen Quellen ein Verständnis der Tathintergründe, fernab von Schlagzeilen und medialer Schnellaufbereitung stattfinden. Die Verantwortung, die bei Lehrern, Eltern, Mitschülern, Politikern und Medien liegt, muss jetzt wahrgenommen werden. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um verzweifelten, frustrierten, gedemütigten und Suizid gefährdeten Jugendlichen einen besseren Ausweg als medienwirksamen Selbstmord anbieten zu können. Das wäre ein Weg, weitere Massaker an deutschen Schulen erfolgreich zu verhindern. Dazu ist eine Analyse der Ursache und vor allem auch der Hinterlassenschaften von Sebastian B. notwendig.

Leider verhindert die völlige Fokussierung auf Computerspiele diese, vermutlich lebenswichtige, Diskussion um wahre Hintergründe und Konsequenzen und trägt so dazu bei, dass der Status Quo erhalten bleibt und es jederzeit zu neuen Massakern kommen kann. Durch ein Verbot könnte sogar noch mehr Schaden angerichtet werden, denn dieses würde dafür sorgen, dass sich Jugendliche noch mehr von einer Gesellschaft, in der ihr Hobby verboten wird, entfremden und sich zurückziehen. Genau dies fürchten auch Jugendarbeiter, die Spiele wie Counter-Strike als Plattform zum Kontakt mit Jugendlichen nutzen. Ein Verbot würde die Spiele und ihre Spieler in die Illegalität verbannen und somit vom Einfluss von Jugendarbeitern isolieren.

Somit ist die aktuelle Computerspiele-Debatte angesichts der Gesetzeslage, dem Stand der Forschung und den Erkenntnissen über den Täter nicht nur fehl am Platz, sie „killt“ auch jegliche Versuche, sachlich zu erörtern, wie mit dem Problem von Massakern umzugehen ist. Sie droht zudem, den Kontakt zu ohnehin zurückgezogenen Jugendlichen völlig zu kappen.

Schlussfolgerung

Wir müssen in Deutschland lernen, auch in emotional aufgeheizten Situationen rational zu diskutieren und dürfen uns nicht durch Schnellschüsse und Nebelkerzen von bekannten Populisten, die sich die Ängste der Bevölkerung für ihr eigenes politisches Kalkül zu Nutze machen, ablenken lassen. Das Ausmachen von Sündenböcken ist nicht nur unfair, es verdeckt real existierende Probleme und Sorgen von Jugendlichen und täuscht so über die echte Gefahr neuer Taten hinweg. Somit wird durch Propagieren von scheinbar einfachen Lösungen für komplexe Probleme echte Prävention verhindert. Wir müssen erkennen, dass solche Hexenjagden auch Ausdruck von Ratlosigkeit von Politik, Gesellschaft und Medien sind und somit kein Zeichen der Stärke. Die Botschaft, die dabei an potenzielle Amokläufer, die der Debatte sicherlich folgen, übermittelt wird, ist, dass ihre Probleme nicht gehört bzw. verstanden werden. Nur eine faire und offene Analyse der Vorfälle, ein Verstehen der Beweggründe und eine sachliche, geduldige Diskussion, die nicht mit politischen Zielen verknüpft ist, kann zu Lösungsideen führen, die dann von verschiedenen Teilen unserer Gesellschaft gemeinsam umgesetzt werden müssen. Die dafür notwendige Selbstanalyse der Gesellschaft schmerzt, sie ist jedoch unabdingbar. Die Beweggründe einer Tat nachvollziehen zu können, heißt nicht, die Tat zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen. Wir haben die Pflicht, verzweifelten Jugendlichen bessere Auswege als medial inszenierte Rache-Selbstmorde zu geben. Dazu müssen wir die Motivation der Täter verstehen, anstatt gefährdete Jugendliche durch sinnlose Verbote noch weiter ins Abseits zu drängen. Wir müssen uns insbesondere überlegen, wie wir verhindern, dass jeder vorige Amoklauf die Vorlage für den folgenden darstellt.

Die Debatte über Computerspiele muss durch eine sinnvolle Debatte über die wahren Hintergründe der Tat und mögliche Konsequenzen ersetzt werden. Wir müssen darüber sprechen, wo die Probleme in unserer Gesellschaft liegen und nicht darüber streiten, ob Doom brutaler ist als Counter-Strike. Computerspiele sind nicht an Massakern schuld. Auch nicht teilweise oder ein bisschen. Zwar behauptet auch niemand direkt und ernsthaft diese Schuld, aber trotzdem entsteht durch geschickte Verknüpfung der eigentlich überflüssigen „Killerspiele“-Debatte mit der schrecklichen Tat in Emsdetten und ein paar gestreuten „vielleicht“ und „möglicherweise“ bei der Computerspiel-unerfahrenen Bevölkerung der Eindruck vom bösen Spiel, das unsere gesunden Kinder ruiniert. Computerspiele, auch solche mit Gewaltinhalten, sind das Hobby von Millionen in Deutschland und dürfen nicht als Sündenböcke für tief sitzende gesellschaftliche Probleme und als Blitzableiter für die Wut der aufgebrachten Massen missbraucht werden. Die vielen Computerspieler in Deutschland dürfen nicht weiter diskriminiert werden. Es muss endlich von allen Schichten der Gesellschaft anerkannt werden, dass Spiele bereits heute ein fester Bestandteil unserer Kultur sind. Es muss akzeptiert werden, dass es wie bei Filmen und Büchern auch, Spiele für Kinder, für Jugendliche und für Erwachsene gibt und dass in Deutschland ein funktionierender und anerkannter Schutz von Kinder- und Jugendlichen vor Erwachsenenspielen existiert. Dieser Schutz ist sogar der verbindlichste in der demokratischen Welt! Dafür verdienen die USK und die Bundesprüfstelle Anerkennung und nicht permanente Anfeindung in den Medien. Der Begriff „Killerspiele“, der eine differenzierte Betrachtung unmöglich macht und Actionspiele automatisch als etwas Abnormales diffamiert, sollte am Besten völlig aus der öffentlichen Diskussion verschwinden.

Durch die anhaltende Diskussion über die angebliche Gefahr von Computerspielen sind nicht nur Chancen vergeben worden, wirkliche Lösungen für die Amoklauf-Problematik zu finden. Vielmehr hat auch die demokratische Kultur in Deutschland Schaden genommen, denn es hat sich in der Öffentlichkeit die Idee vom Verbot als akzeptabler Allzweck-Lösung für gesellschaftliche Probleme breit gemacht. Hier sollten wir uns wieder klar werden, dass in einer freiheitlichen Demokratie ein Verbot immer ein letztes Mittel sein muss und dass es in einer freien Gesellschaft normal ist, dass man Meinungen, Lebensstile und Hobbys anderer nicht mag oder gar verabscheut, ohne diese aber jemals verbieten zu wollen. Nur wer Anderen Freiheit gewährt, kann selbst in Freiheit leben.



Quellen zu “Die Killerdebatte”
Dezember 23, 2006, 9:02 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Killerdebatte-Artikel


Anmerkungen zur Veröffentlichung des Abschiedsbriefs und des Videoinhalts
Dezember 23, 2006, 9:01 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Killerdebatte-Artikel

Anders als Frau Merkel, bin ich nicht der Meinung, dass wir „nicht verstehen und nachvollziehen [müssen], warum ein 19-Jähriger 16 Menschen und anschließend sich selbst erschossen hat.“ Ich denke, anders als sie, auch, dass das „Unerklärbare“ gar kein solches ist: Man kann die Hintergründe der Taten durchaus erklären und zwar ohne die Taten selbst dabei zu entschuldigen oder sich auf die Seite der Täter zu stellen. Ich denke sogar, dass dies unablässig ist, um weitere Massaker effektiv verhindern zu können. Daher erachte ich die hastige Zensur der Polizei im Fall Sebastian B. nicht nur als Eingriff in die Informationsfreiheit, sondern auch als schädlich für die weitere Ursachenforschung. Aus diesem Grund enthält diese Seite unter anderem einige Quellen, die immer wieder von Webseiten gelöscht oder nur zensiert gezeigt werden. Vom Abschiedsvideo habe ich eine Abschrift erstellt und diese auch übersetzt. Ich hoffe, dass diese Dokumente für die Ursachenforschung hilfreich sind.



Vollständiger Abschiedsbrief von Sebastian B.
Dezember 23, 2006, 8:58 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Killerdebatte-Artikel

Wenn man weiss, dass man in seinem Leben nicht mehr Glücklich werden kann, und sich von Tag zu Tag die Gründe dafür häufen, dann bleibt einem nichts anderes übrig als aus diesem Leben zu verschwinden. Und dafür habe ich mich entschieden. Es gibt vielleicht Leute die hätten weiter gemacht, hätten sich gedacht “das wird schon”, aber das wird es nicht.

Man hat mir gesagt ich muss zur Schule gehen, um für mein leben zu lernen, um später ein schönes Leben führen zu können. Aber was bringt einem das dickste Auto, das grösste Haus, die schönste Frau, wenn es letztendlich sowieso für’n Arsch ist. Wenn deine Frau beginnt dich zu hassen, wenn dein Auto Benzin verbraucht das du nicht zahlen kannst, und wenn du niemanden hast der dich in deinem scheiss Haus besuchen kommt!

Das einzigste was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe war, das ich ein Verlierer bin. Für die ersten jahre an der GSS stimmt das sogar, ich war der Konsumgeilheit verfallen, habe anach gestrebt Freunde zu bekommen, Menschen die dich nicht als Person, sondern als Statussymbol sehen.

Aber dann bin ich aufgewacht! Ich erkannte das die Welt wie sie mir erschien nicht existiert, das ie eine Illusion war, die hauptsächlich von den Medien erzeugt wurde. Ich merkte mehr und mehr in was für einer Welt ich mich befand. Eine Welt in der Geld alles regiert, selbst in der Schule ging es nur darum. Man musste das neuste Handy haben, die neusten Klamotten, und die richtigen “Freunde”. hat man eines davon nicht ist man es nicht wert beachtet zu werden. Und diese Menschen nennt man Jocks. Jocks sind alle, die meinen aufgrund von teuren Klamotten oder schönen Mädchen an der Seite über anderen zu stehen. Ich verabscheue diese Menschen, nein, ich verabscheue Menschen.

Ich habe in den 18 Jahren meines Lebens erfahren müssen, das man nur Glücklich werden kann, wenn man sich der Masse fügt, der Gesellschaft anpasst. Aber das konnte und wollte ich nicht. Ich bin frei! Niemand darf in mein Leben eingreifen, und tut er es doch hat er die Konsequenzen zu tragen! Kein Politiker hat das Recht Gesetze zu erlassen, die mir Dinge verbieten, Kein Bulle hat das Recht mir meine Waffe wegzunehmen, schon gar nicht während er seine am Gürtel trägt.

Wozu das alles? Wozu soll ich arbeiten? Damit ich mich kaputtmaloche um mit 65 in den Ruhestand zugehen und 5 Jahre später abzukratzen? Warum soll ich mich noch anstrengen irgendetwas zu erreichen, wenn es letztendlich sowieso für’n Arsch ist weil ich früher oder später krepiere?

Ich kann ein Haus bauen, Kinder bekommen und was weiss ich nicht alles. Aber wozu? Das Haus wird irgendwann abgerissen, und die Kinder sterben auch mal. Was hat denn das Leben bitte für einen Sinn? Keinen! Also muss man seinem Leben einen Sinn geben, und das mache ich nicht indem ich einem überbezahlten Chef im Arsch rumkrieche oder mich von Faschisten verarschen lasse die mir erzählen wollen wir leben in einer Volksherrschaft.

Nein, es gibt für mich jetzt noch eine Möglichkeit meinem Leben einen Sinn zu geben, und die werde ich nicht wie alle anderen zuvor verschwenden! Vielleicht hätte mein Leben komplett anders verlaufen können. Aber die Gesellschaft hat nunmal keinen Platz für Individualisten. Ich meine richtige Individualisten, Leute die selbst denken, und nicht solche “Ich trage ein Nietenarmband und bin alternativ” Idioten!

Ihr habt diese Schlacht begonnen, nicht ich. Meine Handlungen sind ein Resultat eurer Welt, eine Welt die mich nicht sein lassen will wie ich bin. Ihr habt euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan, ich hatte nur einen ganz anderen Humor!

Von 1994 bis 2003/2004 war es auch mein Bestreben, Freunde zu haben, Spass zu haben. Als ich dann 1998 auf die GSS kam, fing es an mit den Statussymbolen, Kleidung, Freunde, Handy usw.. Dann bin ich wach geworden. Mir wurde bewusst das ich mein Leben lang der Dumme für andere war, und man sich über mich lustig machte. Und ich habe mir Rache geschworen!

Diese Rache wird so brutal und rücksichtslos ausgeführt werden, dass euch das Blut in den Adern gefriert. Bevor ich gehe, werde ich euch einen Denkzettel verpassen, damit mich nie wieder ein Mensch vergisst!

Ich will das ihr erkennt, das niemand das Recht hat unter einem faschistischen Deckmantel aus Gesetz und Religion in fremdes Leben einzugreifen!

Ich will das sich mein Gesicht in eure Köpfe einbrennt!

Ich will nicht länger davon laufen!

Ich will meinen Teil zur Revolution der Ausgestossenen beitragen!

Ich will R A C H E !

Ich habe darüber nachgedacht, dass die meisten der Schüler die mich gedemütigt haben schon von der GSS abgegangen sind. Dazu habe ich zwei Dinge zu sagen:

1. Ich ging nicht nur in eine klasse, nein, ich ging auf die ganze Schule. Die Menschen die sich auf der Schule befinden, sind in keinem Falle unschuldig! Niemand ist das! In deren Köpfen läuft das selbe Programm welches auch bei den früheren Jahrgängen lief! Ich bin der Virus der diese Programme zerstören will, es ist völlig irrelewand wo ich da anfange.

2. Ein Grossteil meiner Rache wird sich auf das Lehrpersonal richten, denn das sind Menschen die gegen meinen Willen in mein Leben eingegriffen haben, und geholfen haben mich dahin zu stellen, wo ich jetzt stehe; Auf dem Schlachtfeld! Diese Lehrer befinden sich so gut wie alle noch auf dieser verdammten schule!

Das Leben wie es heute täglich stattfindet ist wohl das armseeligste was die Welt zu bieten hat! S.A.A.R.T. - Schule, Ausbildung, Arbeit, Rente, Tod Das ist der Lebenslauf eines “normalen” Menschen heutzutage. Aber was ist eigentlich normal?

Als normal wird das bezeichnet, was von der Gesellschaft erwartet wird. Somit werden heutzutage Punks, Penner, Mörder, Gothics, Schwule usw. als unnormal bezeichnet, weil sie den allgemeinen Vorstellungen der Gesellschaft nicht gerecht werden, können oder wollen. Ich scheiss auf euch! Jeder hat frei zu sein! Gebt jedem eine Waffe und die Probleme unter den Menschen lösen sich ohne jedliche Einmischung Dritter. Wenn jemand stirbt, dann ist er halt tot. Und? Der Tod gehört zum Leben! Kommen die Angehörigen mit dem Verlust nicht klar, können sie Selbstmord begehen, niemand hindert sie daran!

S.A.A.R.T. beginnt mit dem 6. Lebensjahr hier in Deutschland, mit der Einschulung. Das Kind begibt sich auf seine perönliche Sozialisationsstrecke, und wird in den darauffolgenden Jahren gezwungen sich der Allgemeinheit, der Mehrheit anzupassen. Lehnt es dies ab, schalten sich Lehrer, Eltern, und nicht zuletzt die Polizei ein. Schulpflicht ist die Schönrede von Schulzwang, denn man wird ja gezwungen zur Schule zu gehen.

Wer gezwungen wird, verliert ein Stück seiner Freiheit. Man wird gezwungen Steuern zu zahlen, man wird gezwungen Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten, man wird gezwungen dies zu tun, man wird gewzungen das zu tun. Ergo: Keine Freiheit!

Und sowas nennt man dann Volksherrschaft. Wenn das Volk hier herrschen würde, hiesse es Anarchie!

WERDET ENDLICH WACH - GEHT AUF DIE STRASSE - DAS HAT IN DEUTSCHLAND SCHONMAL FUNKTIONIERT!

Nach meiner Tat werden wieder irgendwelche fetten Politiker dumme Sprüche klopfen wie “Wir halten nun alle zusammen” oder “Wir müssen gemeinsam versuchen dies durchzustehen”. Doch das machen sie nur um Aufmerksmakeit zu bekommen, um sich selbst als die Lösung zu präsentieren. Auf der GSS war es genauso… niemals lässt sich dieses fette Stück Scheisse von Rektorin blicken, aber wenn Theater- aufführungen sind, dann steht sie als erste mit einem breiten Grinsen auf der Bühne und präsentiert sich der Masse!

Nazis, HipHoper, Türken, Staat, Staatsdiener, Gläubige…einfach alle sind zum kotzen und müssen vernichtet werden! (Den begriff “Türken” benutze ich für alle HipHopMuchels und Kleingangster; Sie kommen nach Deutschland weil die Bedingungen bei ihnen zu hause zu schlecht sind, weil Krieg ist… und dann kommen Sie nach Deutschland, dem Sozialamt der Welt, und lassne hier die Sau raus. Sie sollten alle vergast werden! Keine Juden, keine Neger, keine Holländer, aber Muchels! ICH BIN KEIN SCHEISS NAZI)

Ich hasse euch und eure Art! Ihr müsst alle sterben!

Seit meinem 6. Lebensjahr wurde ich von euch allen verarscht! Nun müsst ihr dafür bezahlen!

Weil ich weiss das die Fascholizei meine Videos, Schulhefte, Tagebücher, einfach alles, nicht veröffentlichen will, habe ich das selbst in die Hand genommen.

Als letztes möchte ich den Menschen die mir was bedeuten, oder die jemals gut zu mir waren, danken, und mich für all dies Entschuldigen!

Ich bin weg…